Zelt erneuern 

Wie ich meinem MSR Elixir 2 ein zweites Leben geschenkt habe

Alle guten Dinge gehen einmal zu Ende. Dennoch kann man versuchen, dieses Ende so weit wie möglich hinauszuzögern, so wie bei meinem treuen Zelt.

Mein MSR Elixir 2 ist nun schon sechs Jahre alt und ich habe etwa 700 Nächte darin verbracht. Da das nicht nur im milden mitteleuropäischen Klima war, sondern auch bei eiskalten -25 °C in Bayburt oder in der brennenden Hitze der VAE, schützte das Außenzelt irgendwann nicht mehr so zuverlässig vor Regen, wie es sollte. Das erste Mal richtig bemerkbar machte sich das im Iran: Das Wasser perlte nicht mehr ab, sondern zog direkt in das Gewebe ein.

Ich hätte mir einfach ein neues Zelt oder ein neues Außenzelt (Rainfly) kaufen können. Aber ich wollte basteln – und hatte die Hoffnung, die Materialqualität sogar noch zu steigern, indem ich das Gewebe statt mit einer PU-Schicht mit einer Silikonbeschichtung versehe.

Wichtiger Hinweis zur Reißfestigkeit: Bei häufiger Nutzung schadet die UV-Strahlung nicht nur dem Wetterschutz, sondern greift auch das Gewebe an und macht es spröde oder porös. Mein Zeltstoff fühlte sich jedoch noch absolut stabil an. Zudem habe ich meist darauf geachtet, das Außenzelt nicht in der prallen Mittagssonne stehenzulassen, sondern es erst abends aufzubauen oder tagsüber nur das Innenzelt zu nutzen.

Zusätzlich zur neuen Silikonbeschichtung auf der Außenseite sollte auch die Innenbeschichtung aufgefrischt werden – hier bin ich allerdings bei der klassischen PU-Schicht geblieben.

Benötigtes Material & Werkzeug

Materialien:

  • 1 l Isopropylalkohol (99,9 %)
  • 1 l Waschbenzin
  • 300 ml Aquariensilikon
  • 1 Tube Seam Grip +WP
  • 250 ml Seam Grip TF
  • 125 ml Nikwax Stoff- und Lederimprägnierung
  • Babypuder

Werkzeuge:

  • Einmachglas mit ein paar sauberen Schrauben
  • Schaumstoffrolle (oder Pinsel)
  • Farbwanne
  • Weiche Bürste
  • Schutzhandschuhe

Achtung bei den Temperaturen: Da sich das Waschbenzin in einem gewissen Zeitfenster verflüchtigen muss, spielt das Wetter eine entscheidende Rolle. Ist es zu kalt, dauert der Trocknungsprozess ewig. Ist es zu heiß, trocknet das Gemisch zu schnell ab: Man zieht Unregelmäßigkeiten in die Schicht oder das Silikon hat schlicht nicht genug Zeit, tief in den Stoff einzudringen. Ich habe bei rund 20 °C im Schatten gearbeitet – in der direkten Sonne war es für eine saubere Verarbeitung fast schon zu warm.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Reinigung und Vorbereitung

Damit das Silikon dauerhaft auf dem Zelt hält und nicht beim ersten Regenschauer abgewaschen wird, muss das Gewebe gründlich gereinigt und von Resten der alten PU-Schicht befreit werden. Hierfür eignet sich Isopropanol perfekt: Es löst die alte Beschichtung an, beschädigt aber das Nylon nicht.

Ich habe das Isopropanol mit einer Sprühflasche etappenweise auf die Außenfläche aufgetragen und mit der weichen Bürste gründlich abgerieben. So wird der Stoff wieder aufnahmebereit, damit sich das Silikon im nächsten Schritt tief im Nylon verankern kann.

2. Silikon anmischen und auftragen

Das Aquariensilikon wird mit dem Waschbenzin im Verhältnis von etwa 1:10 verdünnt. Dafür gibt man beide Komponenten zusammen mit den Schrauben in das Einmachglas und schüttelt es kräftig durch – die Schrauben wirken dabei wie die Kugel in einer Sprühdose und beschleunigen den Mischprozess enorm.

Anschließend habe ich die Masse schrittweise angemischt und mit der Schaumstoffrolle auf das abgespannte Zelt aufgetragen.

  • Mein Learning: Im Nachhinein hätte eine geringere Menge gereicht. Zudem würde ich nächstes Mal eher zu einem breiten Pinsel als zur Rolle greifen. Mit dem Pinsel lässt sich das Gemisch direkt aus dem Glas verarbeiten (das spart das Umfüllen in die Farbwanne) und man erreicht Mulden – etwa entlang des Gestänges oder an stark gespannten Ecken – wesentlich besser.

Nach zwei Tagen Trockenzeit folgte der erste Wassertest: Das Wasser perlt wieder hervorragend ab, ohne in den Stoff einzuziehen!

Bild eines nassen Zelts auf einer Wiese
Vorher
Nahaufnahme des Zelts. Es ist zu sehen wie das Wasser abperlt
Nachher

3. Innenfläche und Nähte abdichten

Man sollte nicht vergessen, dass sich an der Unterseite des Außenzeltes Kondenswasser bildet, das ebenfalls von innen in das Gewebe wandern kann. Zudem sind die Nähte immer die größten Schwachstellen für Wassereinbruch.

Dafür habe ich das Außenzelt kopfüber auf dem Gestänge montiert und zuerst gründlich mit klarem Wasser gereinigt. Nachdem die Sonne den Stoff getrocknet hatte, habe ich die Innenfläche mit Seam Grip TF mithilfe der Bürste eingearbeitet.

Nach knapp vier Stunden Trockenzeit ging es an die Nähte: Mit Seam Grip +WP bin ich alle Nähte akkurat nachgegangen. Besonderes Augenmerk lag dabei auf den hochbelasteten Stellen – also den Führungskanälen des Gestänges, den Überkreuzungspunkten und den Abspannlaschen.

Nahaufnahme wie ich mit dem Seam Grip die Naht ausbessere

4. Finish und Verklebungsschutz

Nun heißt es wieder: zwei Tage geduldig trocknen lassen. Seam Grip +WP bleibt sehr lange klebrig, weshalb diese Wartezeit absolut notwendig ist. Während dieser Phase habe ich die Innenfläche zusätzlich mit dem Nikwax-Spray behandelt, damit Kondenswasser künftig noch schneller abläuft.

Ganz wichtiger letzter Schritt: Nach den zwei Tagen Trockenzeit müssen alle behandelten Nähte gründlich mit Babypuder bestäubt werden! Das nimmt die Restklebrigkeit und verhindert zuverlässig, dass das Zelt beim Zusammenlegen mit sich selbst verklebt.

Fazit & Gewichtsbilanz

Für alle, die sich für Ultralight-Camping oder das genaue Ausrüstungsgewicht interessieren: Das Außenzelt wog vor der Behandlung exakt 850 g und brachte danach 1.020 g auf die Waage.

Ein Plus von 170 g – was für mich als jemanden, der unterwegs lieber komfortabel als extrem leichtgewichtig reist, ein absolut verschmerzbarer Kompromiss für ein wieder voll einsatzbereites Zelt ist!