Nach 27.000 km und über einem Jahr im Sattel möchte ich meine genutzte Ausrüstung einmal ausgiebig bewerten – einiges loben, manches zerreißen. Viele Teile haben sich hervorragend bewährt, andere wurden ausgewechselt oder modifiziert, und manches hat schlicht genervt. Gehen wir das Ganze nun Stück für Stück durch.
Die Highlights
Für mich war das Zelt mit das zuverlässigste Equipment auf der gesamten Reise. Egal ob bei -20 °C in der Türkei, über 40 °C in den VAE, ob bei Sturm oder Gewitter: Es hat immer gehalten und nie Probleme gemacht. Wenn es überhaupt etwas zu bemängeln gibt, wäre es das Kondenswasser, das sich manchmal im Außenzelt gebildet hat. Aber auch da stellte sich mit der Zeit heraus: Stellt man es vorausschauender auf, minimiert sich dieses Problem deutlich.
Dennoch gingen die rund 300 TNächte in dem Zelt während dieser Tour und insgesamt 700 Nächte nicht spurlos an ihm vorüber. Mit der Zeit hat die Imprägnierung und Wasserdichtigkeit nachgelassen, weshalb ich es inzwischen überarbeitet habe.
Noch eine Anmerkung zum Service von MSR:
Nach meiner Reise war ich mit Arbeitskollegen beim Trinken und Campen. Im gut angeheiterten Zustand habe ich es dann doch geschafft, die Aufnahme einer Zeltstange zu zerbrechen. Ein neues Zeltgestänge hätte mit über 100 € zu Buche geschlagen, was ich übertrieben fand da das komplette Zelt mit „nur“ 250€ zu Buche schlägt. Einzelne Stangen konnte man so nicht erwerben. Ich habe daraufhin den Service von MSR angeschrieben, der mir die gebrochene Stange völlig kostenlos zugeschickt hat.
Mit diesem Benzinkocher habe ich auf der Reise fast jeden Tag gekocht, teilweise sogar mehrmals täglich. In der gesamten Zeit habe ich gerade einmal zweimal eine kleine Wartung durchgeführt, bei der ich die Zuleitungen und die Düse gereinigt habe. Der Kocher läuft immer noch einwandfrei. Ein absolutes Top-Produkt!
MSR Quick Solo System
Dieser leichte Aluminiumtopf samt Thermobecher war meine Wahl zum Kochen und Trinken. Auch wenn ich den Becher nicht ein einziges Mal genutzt habe, war der Topf jeden Cent wert. Wie auch die andere Top-Ausrüstung gehörte er zu den Dingen, die jeden Tag im Einsatz waren und die Reise bis zum Ende ohne jegliche Beanstandung überstanden haben. Er kommt auch auf die nächste Tour wieder mit
(Oder auch nicht: Ich habe den Topf leider bei einer Wandertour verloren und neu gibt es ihn so nicht mehr zu kaufen)
Mit meiner gesamten Ortlieb-Ausrüstung war ich von Anfang bis Ende vollauf zufrieden. Zwar sind mir im Irak die hinteren Taschen abgebrochen, das war jedoch völlig verständlich: Bei voller Fahrt durch einen offenen Gullideckel und den dabei wirkenden enormen Kräften wäre wohl jedes Material an seine Grenzen gestoßen.
Diese Jacke wurde damals vom YouTube-Kanal Monkey on 2 Wheels empfohlen, und ich kann diese Empfehlung nur wärmstens weitergeben. Sie ist leicht, hat ein sehr kleines Packmaß und hält wirklich warm (wobei ich zugeben muss, dass ich relativ kälteunempfindlich bin).
Für einen Kunstfaserschlafsack bietet er für mich einen sehr guten Kompromiss aus Wärme, Packmaß, Gewicht und Komfort. Einziges Ärgernis: Der Reißverschluss klemmt öfter mal, sodass ich das Teil weder richtig auf- noch zubekomme. Ansonsten macht er seinen Job aber super.
Über alle Touren hinweg haben sie stand heute knapp 50.000 km auf dem Buckel. Bis auf ein paar Flugroststellen und Kratzer zeigen sie keinerlei Abnutzung und wirken wie neu. Ein kleiner Mangel beim Tubus Grand Expedition ist jedoch, dass das Rohr im Inneren, wo man eigentlich das Lichtkabel durchführen können sollte, nicht durchgängig ist. Hinten habe ich den Logo Classic Edelstahl montiert – anstelle des Cargo EVO, der von vsf vormontiert war. Ich habe den Gepäckträger gewechselt, um eine gerade Auflagefläche zu haben, wenn ich auf den Seitentaschen zusätzlich noch einen Rack-Pack installieren möchte.
Der kleine Makel dieses Smartphones war die überschaubare Leistung, wodurch die Bedienung etwas Geduld erforderte. Aber die Stärken, wegen derer ich mich für das Handy entschieden hatte, haben das wettgemacht. Egal bei welchem Wetter – ob bei -20 °C, Schnee, Regen oder 40 °C in der prallen Sonne auf dem Fahrradlenker: Es hat alles klaglos mitgemacht und mich nie im Stich gelassen. Selbst nach einem schweren Sturz bei einer schnellen Bergabfahrt auf den harten Asphalt während meines ersten Aufenthalts in der Türkei hielt das Handy durch.
Letztendlich musste ich es in Deutschland aber dennoch austauschen. Nicht wegen eines Defekts, sondern aus dem simplen Grund, dass der Software-Support ausgelaufen ist – Online-Banking ohne Sicherheitsupdates ist schlicht nicht zu empfehlen. Daher bin ich auf den Nachfolger umgestiegen, das XCover 7. Das ist mir eigentlich etwas zu groß, was mich auch nach über einem halben Jahr immer noch ein wenig ärgert. Ebenso hat es Probleme mit der WLAN-Verbindung und scheint allgemein empfindlicher bei Minusgraden zu sein. Ich schaue mich bis zum Start noch nach einer Alternative um – sieht bisher aber eher schlecht aus.
Zur Bildqualität muss ich wohl nicht viel sagen – die Fotos auf diesem Blog sprechen für sich. Auch nach über einem Jahr auf dem Bike, durch die Eiseskälte bei Bayburt, die pralle Sonne in Dubai und den Staub des Iran funktioniert sie immer noch wie neu. Das einzige Manko zu Beginn war die damals noch neue Fujifilm-App, die viele Verbindungsprobleme hatte und sehr umständlich zu bedienen war. Das wurde inzwischen per Update gelöst, sodass ich mit der Zeit immer zufriedener wurde. Absolut top!
Als ich mir in Slowenien im Decathlon eine neue Sonnenbrille besorgt habe, habe ich diesen Campingstuhl für umgerechnet etwa 7 € entdeckt und mitgenommen. Es war eine der besten kleinen Spontankäufe unterwegs. Ich kann ihn zwar nicht direkt mit anderen Modellen vergleichen, aber beim Campen aufrecht zu sitzen, statt ständig auf dem Boden oder der zusammengefalteten Isomatte zu hocken, war ein absoluter Gamechanger.
Die Nieten
Ich würde ja sagen, es ist unfair, das Fahrrad, das mich so lange getragen hat, gleich als Erstes unter den Nieten zu nennen. Aber die Enttäuschung sowie der schlechte Service seitens des Herstellers haben deutliche Spuren hinterlassen.
Noch einmal zur Erinnerung: Am vorletzten Tag in Armenien ist mir der Rahmen gebrochen. Genauer gesagt sind die Ösen zur Aufnahme des Gepäckträgers an der Sattelstrebe sowie an der Radaufnahme der Kettenstrebe ausgebrochen.
Der Kundendienst von vsf teilte mir daraufhin mit, dass kein Garantiefall vorliege. Da ich den Gepäckträger gewechselt hatte, sei die Garantie erloschen. Soviel zum Versprechen: „10 Jahre Garantie auf den Rahmen – ohne Wenn und Aber.“
Natürlich muss das nicht jedem passieren, und wäre das nicht vorgefallen, hätte ich am gesamten Bike nichts zu meckern gehabt. Aber so bleibt einfach immer ein bitterer Nachgeschmack, wenn ich an das Rad und die Marke denke.
Sie bieten tolle Motive, eine gute Haptik und fühlen sich wertig an. Für eine lange Radtour waren sie jedoch völlig ungeeignet. Nach wenigen Monaten wiesen die Shirts bereits mehrere Risse auf. Der Stoff, so nachhaltig er auch sein mag, hält dieser extremen Dauerbeanspruchung nicht stand.
Meine 5 Cents
Therm-a-Rest NeoAir XLite
Fangen wir mit meiner aufblasbaren Isomatte an: Ich habe sie eigentlich nur genutzt, wenn es wegen der kalten Temperaturen unumgänglich war oder der Boden zu uneben zum Schlafen war. An sich war ich mit der Matte zufrieden – Packmaß, Gewicht, Liegekomfort, das Aufblasen per Pumpsack und die Isolation sind wirklich spitze.
Die Matte hatte jedoch ein nerviges Problem: schleichenden Luftverlust. Nicht extrem viel oder schnell, aber wenn sie abends voll aufgepumpt war, lag der Druck am Morgen nur noch bei etwa 50 %. Das reichte zwar meist aus, wenn sie zu Beginn zu 100 % voll war. Des Öfteren musste ich mich jedoch mitten in der Nacht aus dem Schlafsack schälen und nachpumpen, um weiter schlafen zu können.
Magura HS33
Diese hydraulische Felgenbremse gehört eigentlich fast zu den Highlights. Die Bremsleistung ist mehr als ausreichend und sie hat die Reise nahezu ohne zu murren durchgestanden.. Aber eben nur nahezu: Etwa auf der Hälfte der Tour verringerte sich die Bremsleistung. Der Grund war ein festsitzender Bremszylinder, sodass die vordere Bremse nur noch einseitig bremste.
Eine Reparatur war laut Service nicht möglich. Ersatzteile oder eine komplett neue Bremsanlage für vorne wären nur über einen Import erhältlich gewesen, was gut eine Woche Lieferzeit bedeutet hätte. Damit kommen wir zum Hauptproblem: Die Verfügbarkeit von Ersatz- und Verschleißteilen außerhalb Europas ist schlicht nicht gegeben. Ich hatte zwar genügend Bremsbeläge dabei, um lange über die Runden zu kommen, dennoch ist man schnell aufgeschmissen, sollte man Ersatzteile oder einen speziellen Service benötigen.
Bushcraft Essentials Bushbox LF
Mein Hobo-Kocher ist hier eher eine „Honorable Mention“ als eine echte Bewertung. Ich habe den Ofen zwar einige Male benutzt und war jedes Mal sehr zufrieden. Dennoch lässt sich die Anzahl der Kochvorgänge an zwei Händen abzählen, obwohl ich sehr gerne öfter mit ihm gekocht hätte. Auf der nächsten Tour ist er wieder dabei – hoffentlich kommt er dann auch öfter zum Einsatz!
Das waren eigentlich tolle Schuhe für die Tour: guter Halt auf den Pedalen, bis zum Schluss wasserdicht und nie unbefindliche Gerüche. Dennoch habe ich sie für die nächste Reise aussortiert. Die Sohle hat das Jahr der Dauerbelastung nicht ganz mitgemacht – kurz nach der Tour konnte ich mir durch die abgetragene Sohle von unten fast die Füße kitzeln. Für das nächste Mal schaue ich mich nach Alternativen um: Entweder wird es der Lowa Delago oder als Budget-Variante der Decathlon Simond Rock.
Ach, ihr lieben Schwalbe-Reifen! Eigentlich unkaputtbar – doch spätestens beim Blick auf meine Pannenstatistik kommt man zu dem Schluss, dass da etwas gehörig schiefgelaufen ist.
Was war das Problem? Mein Reifen hatte einen Produktionsfehler, der mir erst im Iran auffiel und wegen dem ich Unmengen an Platten hatte: Auf der Innenseite des Reifens befand sich eine nicht sichtbare Wulst. Selbst beim vorsichtigen Erfühlen mit dem Finger – auf der Suche nach Dornen oder Spitzen – fiel sie nicht auf. Erst als ich den Reifen komplett auf links drehte und gründlich inspizierte, wurde das Problem sichtbar. Nachdem ich die Wulst mit Schleifpapier abgerieben und mit Tape abgeklebt hatte, gab es keine Platten mehr.
Trotz des Ärgernisses war ich mit den Reifen eigentlich zufrieden. Und hätte ich kurz vor der Türkei meinen Ersatzreifen nicht verschenkt, wäre es gar nicht erst so weit gekommen.
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