Endlich wieder Wärme und neue Landschaften
Fangen wir heute mal mit dem Positiven an: Die Sonne scheint und es wird mit über 20 Grad langsam wieder richtig warm. Heute ging es fast den ganzen Tag ausschließlich bergab und selbst mit der kleinen Brise Gegenwind kam ich gut zurecht.
Von der Landschaft und den Gebäuden hatte ich unterwegs das Gefühl, schon in einem anderen Land zu sein. Nach Ergani wurde es sehr flach und die Flächen abseits der Straße wurden wieder mehr als Farmland genutzt. Die Städte und Dörfer machten hingegen einen viel ärmlicheren Eindruck als die bisherigen Gegenden, die ich in der Türkei kennenlernen konnte – mit Ausnahme vielleicht des Grenzgebiets zu Armenien bei Ardahan.

Zwischenstopp in Diyarbakır
Diyarbakır, die zweitgrößte Stadt Südostanatoliens, wirkte natürlich völlig anders auf mich. Eigentlich wollte ich nichts weiter, als schnell wieder raus, als plötzlich ein Schild des blauen Sportriesen auftauchte. Schnell deckte ich mich dort mit einem Ersatzreifen, einer neuen Hose sowie einer neuen Sonnenbrille ein. Hier noch einmal vielen Dank an Basti für die Spende für die Sonnenbrille!

Mein Kampf mit dem Zelt (und mir selbst)
Im Grunde war es also ein schöner Tag, wäre da nicht der Morgen gewesen, an dem ich mich mal wieder wie der letzte Mensch angestellt habe.
Nachts hatte es noch erhebliche Windböen gegeben, die mich immer wieder aufweckten. Beim Frühstück gab es noch eine kleine Böe und beim Zusammenpacken dachte ich schon nicht mehr daran. Als ich gerade dabei war, das Zelt zu zerlegen, ging es aber wieder richtig los. Nicht nur wehte es einen Teil meiner Ausrüstung in die Schlucht, sondern der Wind schaffte es auch, die Zeltstangen zu verbiegen, die ich gerade in dem Moment vom Zelt lösen wollte. Dann durfte ich beides wie einen Drachen im Wind festhalten.
Zwar konnte ich die Ausrüstung wieder bergen und die Stangen so weit wie möglich zurechtbiegen, dennoch war das mal wieder unnötige Action. Als Ausgleich dafür gönnte ich mir in Diyarbakır eine leckere Pizza.

Gedanken in der Nacht
Langsam mache ich mir Sorgen um mein Visum für Pakistan. Vor neun Tagen habe ich es beantragt, bezahlt und eine Bestätigung erhalten – ich warte aber immer noch auf die endgültige Antwort.
Dies und noch mehr ging mir in der letzten Nacht durch den Kopf, als ich nicht schlafen konnte. Von irgendwo kam ein Geruch in mein Zelt, der mich wach hielt. Nicht wirklich unangenehm, aber es roch nach Cracklings, was mich wirklich hungrig machte.

Ankunft in Mardin
Ansonsten ging es heute den ganzen Tag gemütlich mit einem netten Rückenwind bergauf. Die weiter Richtung Süden führende Route macht sich immer mehr bemerkbar, da die Temperatur weiter steigt und die Landschaft immer trockener und steiniger wird.
Gegen Nachmittag bin ich schließlich in Mardin angekommen, der ersten arabisch anmutenden Stadt auf der Reise. Um diese zu besichtigen, habe ich mir auch noch einmal ein Zimmer genommen. Leider war es das bis jetzt teuerste, kleinste und unsauberste Zimmer der Reise. Zudem wollte man mich beim Preis sogar noch über den Tisch ziehen.
Die kleine Wandertour durch die Altstadt habe ich sehr genossen, da die Atmosphäre hier doch eine ganz andere war als im Rest der Türkei. Geld habe ich aber nicht ausgegeben, da ich außerhalb der Stadt das Gleiche für die Hälfte bekomme.
Begegnungen zwischen Mandelbäumen und Steinen
Gestern, gerade erst in Mardin losgefahren, musste ich auch schon wieder anhalten, um wenigstens ein Bild von den blühenden Mandelbäumen zu machen. Dabei wurde ich von Fatih angesprochen und erst einmal zu Brot und Kaffee eingeladen. Nach einem netten Gespräch ging es gleich weiter, denn langsam wurde die Zeit knapp.
Der restliche Tag war geprägt von ganz viel Nichts: eine endlose Straße, mal bergauf, mal bergab und fast nur Steine links und rechts von mir.
Am heutigen Tag änderte sich der Streckenverlauf kaum, dafür kam jedoch ein steiler Gegenwind auf, der mich den ganzen Tag begleitete. Auch aufgrund dieses Windes wurde ich in Midyat schon morgens von Yusuf angehalten. Eigentlich wollte er mich einladen, aber ich musste weiter, um noch rechtzeitig zur Grenze zu kommen. Selbst das Angebot, mich morgen dorthin zu fahren, schlug ich aus.
Dennoch ließ er mich nicht weiter, ohne mir wenigstens eine „Kleinigkeit“ zu schenken. Diese Kleinigkeit war grob ein Kilo Nüsse sowie eine regionale Spezialität, die dem georgischen Tschurtschchela – in angedicktem Traubensaft eingelegten Walnüssen – sehr ähnlich ist, aber noch süßer schmeckt.

Endspurt zur Grenze
Meine Zeit in der Türkei endet jetzt langsam aber sicher. Momentan bin ich 20 km von der syrischen Grenze und 200 km vom als Nächstes angepeilten Ziel, dem Grenzübergang in den Irak, entfernt.
Meine Kraft reichte heute noch bis nach Idil. Somit habe ich morgen noch 70 Kilometer bis zur Grenze. Das sollte bis Mittag zu schaffen sein, da es fast nur bergab geht – außer es bleibt so windig wie heute.
Wenn alles läuft wie geplant, werde ich in drei Tagen die Grenze überqueren. Ob ich dort und in den folgenden Ländern mit meiner VPN eine stabile Internetverbindung aufbauen kann, wird sich erst dann zeigen. Ich hoffe jedenfalls, weiterhin auf allen Kanälen posten zu können.


