Berge, skurile Typen und ein Wasserfall

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Nach Erzurum war mein nächstes größeres Ziel Ardahan. Zuerst führte mich der Weg durch eine sehr klippenhafte Gegend bis nach Tortum, von dort ging es dann wieder den nächsten Pass hinauf. So langsam verlor ich aber die Lust auf Höhenmeter – meine Beine waren von der ständigen Beanspruchung schon ziemlich gebeutelt.

Es nützte also nichts: Egal, in welche Richtung ich weiterfuhr, es ging wieder steil nach oben. Umso glücklicher war ich, als ich schließlich auf 2.300 m am Yayla-Pass ankam. Der Aufstieg hatte sich definitiv gelohnt, denn die Landschaft war atemberaubend, und ich fand gleich einen perfekten Platz für mein Zelt.

Am nächsten Tag führte mich die Strecke nach Oltu, wo ich die Burg Olto besichtigen wollte. Leider war sie gesperrt. Hier erlebte ich zum ersten Mal in der Türkei ein mulmiges Gefühl im Umgang mit Menschen. Kaum hatte ich mit dem Fotografieren begonnen, kamen zwei Männer auf mich zu. Anders als gewohnt, auf eine schmierige Art: Ständig Fragen zu meinem Fahrrad, der Kamera und deren Kosten. Ich machte mich schnell wieder auf den Weg, um die Ortschaft hinter mir zu lassen.

Die restliche Tagesetappe bis nach Aksar war landschaftlich ein echter Genuss. Die Hügel und Täler zeigten ein Kaleidoskop aus Lehmfarben – einfach wunderschön. Unterwegs passierte ich Pasali, eine ungewöhnliche Ortschaft für die Türkei, die gefühlt mehr Buffets – also Geschäften, in denen Alkohol verkauft wird – als normale Häuser hat.

Nachmittags passierte mir dann noch ein Missgeschick: Ich fiel in einen Bach, als ich ihn für einen Campspot auf der anderen Seite überqueren wollte. Zum Glück schien die Sonne noch, und meine Sachen wurden schnell wieder trocken.

Am nächsten Tag kam der große Wetterumschwung. Die zuvor noch angenehmen Tage waren vorbei. Starker Gegenwind, Nieselregen, der sich mit Platzregen abwechselte, und ein Temperatursturz unter den Gefrierpunkt in der Nacht – tagsüber knapp darüber – machten den nächsten Pass zur Qual. Zwar hörte der Regen am Mittag auf, als ich in Göle ankam, doch Wind und Kälte blieben hartnäckig.

Ich musste erneut umplanen. Eigentlich wollte ich geradeaus weiter nach Osten und über die nächsten, noch höheren Pässe fahren. Von Göle aus konnte ich jedoch sehen, dass die Berge schneeweiß waren. Also entschied ich mich, den direkten Weg nach Ardahan zu nehmen.

Die Entscheidung war goldrichtig, den das kommende hätte ich nur ungern in noch höheren Lagen erlebt. Kaum war ich aus der Stadt heraus, wurde der Seitenwind immer stärker, und ich kämpfte zunehmend, das Rad auf der Straße zu halten. Schließlich brach ich ab, noch in hügeligem Gelände, und baute mein Zelt auf. Der Himmel verdunkelte sich von einer Seite bedrohlich, und ich hoffte inständig, dass das Wetter an mir vorbeiziehen würde.

Natürlich geschah genau das nicht. In dieser Nacht war ich froh, ein stabiles Zelt gewählt zu haben. Der Wind verbog es so stark, dass ich ständig fürchtete, die Stangen könnten brechen. Dazu kam extremer Regen und ein Gewitter direkt über mir, mit Donnern, die mein Trommelfell fast sprengten, und Blitzen, die die Nacht zum Tag machten.

Mit den Nerven am Ende beschloss ich, eine ruhige Nacht in einem Hotel in Ardahan zu verbringen.

Am nächsten Tag startete ich spät. Die Etappe wurde daher eher kurz, über eine öde Strecke bis nach Cildir, auf der der erste Wald seit dem Bosporus das einzige Highlight war. In Cildir bog ich zunächst falsch ab, um am dortigen See mein Lager aufzubauen.

Nur noch ein Pass trennte mich von der georgischen Grenze. Ich sammelte noch einmal all meine Energie, genoss das herrliche Wetter – und noch vor Mittag war ich schließlich in Georgien.