Von Ruhe, Pässen und Freundschaft

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Nach einer erneut frischen Nacht ging es am nächsten Morgen auf der Autobahn weiter, der Strecke Richtung Armenien folgend. Kayseri ließ ich dabei links liegen; die Stadt interessierte mich nicht wirklich. Nach wenigen Kilometern ging mir das pure Geradeausfahren schon wieder auf den Senkel, sodass es kurze Zeit später wieder auf simplen Landstraßen weiterging. Dennoch blieb es bei einem kurzen Abstecher auf kleinere Straßen, da einerseits die Infrastruktur zwischen den einzelnen Dörfern immer schlechter wurde und man sozusagen gezwungen war, auf der Autobahn von Ort zu Ort zu fahren. Andererseits erschwerten die vielen landwirtschaftlich genutzten Gebiete die Suche nach geeigneten Zeltplätzen.

Die wunderschöne, aber trockene Landschaft in der Türkei

So verging die Strecke über Sivas bis nach Erzincan fast ereignislos, was nach der Action der letzten Wochen wirklich angenehm war. Dafür konnte ich die Landschaft um mich herum richtig genießen. Auch wenn es hier keine wirklichen Highlights gab, empfand ich die Strecke dennoch als sehr angenehm. Besonders schön war, dass langsam wieder Laubbäume auftauchten, die ihr Herbstkleid annahmen – eine schöne Abwechslung und gefühlt ein Stück Heimat.

Ab diesem Streckenabschnitt kam es immer wieder vor, dass LKW-Fahrer mich überholten und anschließend anhielten, um zu fragen, ob sie mich ein Stück mitnehmen könnten. Das hätte ich ja vorher im Bereich um Ankara gerne angenommen, als ich kilometerweise schob, doch hier verneinte ich stets höflich.

Die Strecke bestand weiterhin aus stetigem Auf und Ab, mit mehr oder minder hohen Pässen, sodass ich körperlich doch etwas gefordert war. Gleichzeitig passierte es immer öfter, dass Autofahrer beim Vorbeifahren freundlich hupten, winkten oder sogar anhielten, um mir Wasser und Essen zu schenken. In einem der Autos, das nach Erzincan unterwegs war, saß auch Mert mit seiner Familie, die mich schließlich einluden.

Am folgenden Tag erreichte ich schließlich Erzincan. Dort traf ich Mert, der gerade seine ersten Tage an der Universität von Erzincan verbrachte, zusammen mit seiner Familie aus Antalya. Sie luden mich ein, für zwei Nächte gemeinsam mit ihnen in einem Hotel zu übernachten. Es war eine wundervolle Zeit, denn ich verstand mich mit Mert von Anfang an blind. Wir haben uns mehrfach in Erzincan verlaufen, sind Kilometerweise gelaufen um letztendlich vor verschlossenen Türen zu stehen, aber ich habe auf meiner ganzen Tour nie so viel gelacht wie hier.
Ich bin mir sicher, dass ich ihn auf dieser Reise oder einer zukünftigen Tour wieder besuchen werde. Nach zwei Tagen hieß es jedoch Abschied nehmen, und ich machte mich weiter auf den Weg Richtung Erzurum.

Ein toller Freund