Nach einer kurzen Fahrt auf der Fähre bin ich in Messina angekommen und setzte mich gleich gemütlich in den Schatten eines Stadtparks. Dort wollte ich meine Siesta mit Stephen Kings Tommyknockers genießen, als plötzlich Sebastian vom Tag zuvor grinsend vor mir stand.

Die Siesta dauerte auf einmal länger als eigentlich geplant. Normalerweise fahre ich um kurz nach drei weiter, so wurde es auf einmal vier. Sebastian war ein äußerst toller Gesprächspartner, mit dem man sich wirklich lange und unterhaltsam über Gott und die Welt unterhalten konnte. Das änderte leider nichts an unseren Differenzen bei unserer Reiseroute und Reiseart, und so trennten sich unsere Wege wieder.
Da es schon langsam spät wurde und ich wusste, dass ich, um einen Campspot zu finden, aus der Metropolregion Messina herauskommen musste, musste ich Gas geben. Dabei war Messina eine der schönsten Städte auf meiner bisherigen Reise, aber ich werde ja nochmal zurückkommen. Mein Weg führte durch typisch italienische Gassen und vorbei an wunderschönen, aber auch touristisch viel zu erschlossenen Stränden.
Glücklicherweise war der Rückenwind auf meiner Seite, sodass ich es noch hinunter bis nach Letojanni schaffte. Dort fand ich zwar keinen besonders schönen Platz, aber auf der Sandbank eines ausgetrockneten Flussbettes war es zumindest bequem. Dafür war die darauffolgende Nacht sehr unruhig. Im nahegelegenen Bergwerk der Stadt wurden alle halbe Stunde Sprengungen ausgeführt, und in der Zeit dazwischen hielten mich die aufgeschreckten Hunde wach.
Der nächste Morgen begrüßte mich mit einer wundervollen, romantischen Strecke am Ostufer Siziliens. Neben der traumhaft in einer Bucht liegenden Isola Bella ging es auch durch schöne kleine Dörfer und Städte, die in diesen frühen Morgenstunden noch jeglichen Touristenauflauf vermissen ließen, was es gleich umso schöner machte.
Nach Giarre führte mich meine Route aber weg vom Ufer und rein ins Inland, in Richtung Ätna, was nicht unbedingt die beste Idee war, die ich bisher hatte. Die extreme Hitze Siziliens, zusammen mit dem Verkehr, den Abgasen und den Höhenmetern, war eine ganz schlechte Mischung. Deshalb traf ich relativ schnell die Entscheidung, meine Route leicht abzuändern, und so ging es dann weiter zur schönen Stadt Belpasso, fast immer mit Sicht auf den beeindruckenden Vulkan zu meiner Rechten.
Einen geeigneten Zeltplatz fand ich dann erst einige Kilometer später, aber dafür hat mich die Aussicht dort für die Strapazen des Tages entlohnt. Der Nachteil war, dass es um mich herum so ausgetrocknet war, dass ich es mir nicht zutraute zu kochen, aus Angst, einen Brand auszulösen. Es sind mir an dem Tag schon genügend Löschfahrzeuge und Hubschrauber entgegengekommen, da wollte ich kein Teil davon werden.

Am nächsten Morgen ging es frohen Mutes weiter, und ich wollte die Stadt Gela zum Ende des Tages erreichen. Im Gegensatz zu den vorherigen Tagen ging es diesmal auf einer Schnellstraße weiter, mit noch ungeahnten Konsequenzen. Während ich durch die von oben her knallende Hitze radelte, fiel mir langsam auf, dass es an der Straße keinerlei Ortschaften und somit auch keine kostenlosen Wasserquellen gab. Auch hatte ich am Tag zuvor mein Wasser nicht vollständig aufgefüllt und rannte langsam, aber sicher, trocken.

Auf Höhe Caltagirone war es dann soweit: Der letzte Tropfen Wasser war aufgebraucht, und dennoch wollte ich nicht in die Stadt, da ich für diese nochmal 200 Höhenmeter hätte überwinden müssen. Die einzige Hilfe war eine Tankstelle. Hier holte ich mir aber ebenfalls nur eine 0,5 l-Wasserflasche, da ich dachte, dass das für die restliche Strecke reichen würde, und ebenfalls war ich zu geizig.
Leider hatte ich nicht die Rechnung mit dem Wetter auf der anderen Seite des Berges gemacht. Kaum war ich über die Kuppe gefahren, schlug mir plötzlich ein heißer Wind wie ein zu stark eingestellter Föhn mit ordentlicher Leistung ins Gesicht, bremste mich aus und trocknete mich komplett aus. Letztendlich war die kleine Wasserflasche leer, und ich hatte noch 40 km bis zur nächsten Stadt.
Es war eine echte Qual, und ich habe schon Sterne beim Trampeln gesehen. Bei jedem Stückchen Schatten – und das waren nicht viele – blieb ich stehen und kühlte mich erst einmal ab. Knapp 10 Kilometer vor Gela sah ich auf einmal eine Tankstelle auftauchen und war glücklich. Aber als ich näherkam, stellte ich fest, dass es nur zwei Zapfsäulen und ein kleiner Bürocontainer waren. Kein Shop, an dem es Wasser zu kaufen gab, und auch keinen völlig überteuerten Getränkeautomaten. Dennoch blieb ich stehen und fragte verzweifelt den Wärter, ob er vielleicht doch Wasser verkauft. Natürlich hatte er nichts zu verkaufen und zugleich gerade Feierabend, wollte also bis Abends schließen. Aber er gab mir dennoch seine eigene Wasserflasche aus dem Eisfach – eine 1,5 l-Flasche gefrorenen Wassers. Noch nie habe ich etwas Besseres getrunken!

Kurz darauf kam ich in Gela an und hatte keine Lust mehr, noch einen Zeltplatz für die Nacht zu suchen. Nach einer kurzen Suche im Internet fand ich einen Campingplatz in der Nähe, in Falconara, wo ich es mir dann bequem machte. Hier wurde mir wieder einmal die Brandgefahr bewusst. Nicht nur kam ich an diesem Tag wieder an unzähligen Feuerwehren und Rauchsäulen vorbei, auch der Campingplatz hatte um die Grenze herum Bewässerungsschläuche verlegt, um sich vor Feuer zu schützen.
Während des Campings lernte ich einen netten schwedischen Rentner kennen, der mit dem Motorrad unterwegs ist, um Stück für Stück die Welt kennenzulernen und der unglaublich gerne redete. So hatte ich zwar einen angenehmen Aufenthalt, aber es war schwer, auf Wiedersehen zu sagen, da ihm immer wieder ein neues Gesprächsthema einfiel und ich mich wirklich zwingen musste, ihn abzuwimmeln.
Letztendlich hatte ich es dennoch geschafft, und es ging auf zur letzten Etappe bis zum ersten großen Zwischenziel. Die Sonne wollte mir an diesem Tag noch einmal zeigen, wie unbarmherzig sie sein kann. Gleichzeitig schien mir der Wassermangel des vorherigen Tages zu Kopf gestiegen zu sein, da ich mich auch gleich mehrfach verfahren hatte. Dabei muss ich anmerken, dass sich die Straße auf der Karte als kreuz und quer verzweigter Feldweg mitten durch Olivenhaine und Melonenfelder herausstellte. Kurz vor Mittag hatte ich aber noch einmal richtig Glück, als ich an einem geplatzten Bewässerungsschlauch vorbeikam, der sein kühles Nass kerzengerade in den Himmel und über mich verteilte.

Kurz darauf hatte ich es endlich geschafft: Das erste große Etappenziel, Porto Empedocle, war erreicht, und ich stand vor einer verschlossenen Tür eines verlassenen Geschäfts.










