Chaos vor der Abfahrt und perfekte Überfahrt
Auf dem Weg zum Hafen hatte ich natürlich mal wieder einen Platten. Glücklicherweise hielt genau zu dem Zeitpunkt Vahid mit seinem Rad neben mir an und half mir. So kam ich zumindest pünktlich an meinem Ziel an.
Hier traf ich auch gleich Tom und Vali, die auf einer Tour mit dem Daumen bis nach Hawaii sind und mit denen ich eine tolle Überfahrt hatte. Aber zurück zum Hafen in Bandar Abbas. Zuerst machte ich mir noch Sorgen darüber, wie das Fahrrad verladen wird, aber letztendlich umsonst. Die Kontrolle verlief aber ganz einfach, denn ich wurde mit dem kompletten Rad einfach durchgewunken, da das Personal scheinbar keinen Bock hatte, die ganzen Taschen durchzuschauen. Das Rad hob ich dann zusammen mit ein paar Jungs vom Schiff in den Cargo-Raum, wo es auch ordentlich verzurrt wurde.

Dubai: Hochhäuser, Altstadt und harte Kontrollen
Nach einer ruhigen, aber sehr öden Überfahrt kamen wir dann in Dubai an. Hier waren die Kontrollen etwas härter und ich musste alle Taschen durch den Scanner schieben und einige Teile meiner Ausrüstung, wie Kamera oder Drohne, vorzeigen. Wir drei wurden als westliche Touristen dabei sogar noch bevorzugt behandelt und den anderen immer vorgezogen. Andere Menschen hatten bei der Behandlung weniger Glück.
Nach dem Grenzübergang trennten sich unsere Wege wieder und ich machte mich auf den Weg in ein Hostel. Es war schon sehr spät und es waren mindestens noch 40 km bis außerhalb der Stadt, weshalb mir ein Hostel doch eher gelegen kam.
Dubai… Viele würden hier jetzt Bilder mit tollen Hochhäusern, Skylines und Architektur erwarten. Bei mir aber nicht, denn das lässt mich persönlich ziemlich kalt. Interessanter für mich war eher die Altstadt, die ich in Ruhe besichtigen wollte und daher auch noch eine zweite Nacht im Hostel verbracht habe.
Im Sandkasten: Zäune, Hitze und „Desert Rose“
Nach der zweiten Nacht im Hostel ging es endlich los. Obwohl es mich zuerst nach Norden zog, ging es natürlich nicht den direkten Weg durch die Stadt am Ufer entlang. Ich musste aus dieser Stadt raus, muss aber auch zugeben, dass der Verkehr und das Radfahren in Dubai nicht so schlimm war wie befürchtet, da es ausreichend Radwege gab.
Als ich schließlich aus der Stadt herausen war, war ich erst einmal sehr froh, nicht gleich in der ersten Nacht weiter gefahren zu sein. In VAE ist es, soweit ich es mitbekomme, Gang und Gäbe, dass die Straßen außerhalb von Städten durchgehend eingezäunt sind. Im Dunkeln, ohne das am Tag zu sehen, hätte ich hier niemals einen Zeltplatz gefunden, was auch tagsüber schon eine Krux ist. Denn nicht nur stören die Zäune, sondern der Sand hier ist viel „weicher“ als an den Orten, an denen ich vorher war, weshalb das Fahrrad nicht nur 5, sondern 15 cm einsinkt. Das merkte ich, als ich mal kurz versuchen wollte, eine Route für Jeeps durch die Wüste zu nehmen. Dumme Idee. Weit bin ich nicht gekommen, nach nicht einmal 50 cm war Schluss.

Später leitete mich dann auch mein Routenplaner fehl. Da ich krampfhaft außerhalb der Stadt fahren wollte und ich offiziell nicht auf Highways fahren durfte, führte mich mein Navi auf eine Seitenstraße, die in einem Firmengelände endete, durch das ich durchfahren sollte. Aber ich wurde freundlich darauf hingewiesen, dass ich hier nicht erwünscht bin, also ganz und gar nicht 😅
Die Hitze selbst kam mir beim Radeln gar nicht so schlimm vor. Ich schätze einmal, die komplett neuen optischen Eindrücke haben mich so abgelenkt, dass es mich nicht gestört hat. So fuhr ich am ersten Tag gemütliche 70 km durch die Sandlandschaft.

Wer sich jetzt vorstellt, dass ich hier ganz klischeehaft „Desert Rose“ von Sting beim Radeln gehört habe, dem muss ich recht geben und das sogar für mindestens eine halbe Stunde auf Repeat. Zumindest bis ich von einem auf den nächsten Moment plötzlich völlig platt war und einfach stoppen musste. Die Energie sank innerhalb von einem Augenblick von Hundert auf Null.

Da ich nichts Besseres auf die Schnelle fand, baute ich mein Zelt in einem Wasserablauf unterhalb eines Autobahnkreuzes auf und war damit sehr zufrieden. Autos waren fast nicht zu hören und durch den Schatten war es angenehm kühl und ich hatte durchgehend Zugluft, die es noch erträglicher machte. Dennoch war ich ziemlich geschafft, denn die Hitze hielt mich ab jetzt in ihrem Bann.

Geburtstag in der Wüste: Himbeerbier und Ananas-Pizza
Dieser Tag begann so, wie der letzte aufgehört hat, mit Hitze. Auch wenn mir das schon vor der Entscheidung, nach Arabien zu reisen, bewusst war, ist es doch sehr gewöhnungsbedürftig, schon um neun Uhr an der 30 °C-Marke zu kratzen.
Auf der Autobahn bei Al Dhaid angekommen, stach mir die Ausschilderung für Fort Dhaid in die Augen, dem ich dann auch folgte. Aber nach ein paar Kilometern wurde ich von Saf angehalten und auf einen Kaffee und Frühstück eingeladen und erfuhr, dass er in München studiert hat. Wir hatten ein sehr angenehmes Gespräch und ich habe dabei viel über die VAE gelernt. Beispielsweise musste man vor 15 Jahren ca. 20 m bis zum Grundwasser graben, um seine Felder bewässern zu können. Heute sind es, je nach Ort, zwischen 200 und 300 m Tiefe, die man benötigt, da die großen reichen Städte am Meer das Grundwasser vergeuden.

Da wir weiterhin in Kontakt bleiben wollten, tauschten wir Nummern aus, worauf ich zu dem Thema kam, dass ich keine SIM-Karte in VAE habe, da es mir zu teuer ist und er anschließend darauf bestand, mir eine zu kaufen, damit ich mich auch melden kann, sollte ich hier Probleme haben.
Nach dem Abschied machte ich noch einen Abstecher zum Fort und zu den Ruinen eines Wachturms, bevor ich mich weiter auf den Weg Richtung Norden machte. Weit kam ich aber nicht. Meine SIM-Karte schien endlich Internetverbindung zu haben und schon trudelten die ersten Geburtstagsglückwünsche ein. Ich musste erst einmal unglaublich aufs Datum schauen, aber ja, da bin ich dann schon 41 Jahre geworden.
Kurzerhand kaufte ich mir zur Feier des Tages zumindest noch ein alkoholfreies Bierhimbeermischgetränk, das sich als genauso erbärmlich erwies, wie es das Etikett vermuten ließ und suchte mir einen Platz für den restlichen Tag aus, an dem ich einfach nur noch faulenzen wollte. Natürlich endete die Suche wieder in einem Wasserablauf. Nachdem ich den ganzen restlichen Tag barfuß umher lief, stellte ich am nächsten Morgen fest, dass direkt neben meinem Zelt zwei rostige Nägel aus dem Boden schauten – Glück gehabt

Am nächsten Tag hieß das Ziel, Ras Al Khaimah, wo ich mir mal ein etwas teureres, aber für westliche Verhältnisse immer noch günstiges Hotelzimmer genehmigt hatte und mir zur Feier des (vorherigen) Tages zusätzlich noch eine Pizza gönnte. Und ja, eine mit Ananas, weil ich darauf so richtig Lust hatte.






