Iran: The Good, The Bad, The Ugly

Ich sitze auf einem felsigen, kargen Hügel und blicke über eine weite, trockene, zerklüftete Landschaft aus braun-beigen Felsformationen und Tälern, die bis zum Horizont reichen. Am Horizont ist das blaue Meer unter einem klaren, hellblauen Himmel zu sehen.
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Die Solarpanel-Tortur und freundliche Mechaniker

Für die restliche Strecke von 1.100 km bis zur Fähre nach Bandar Abbas hatte ich noch gut zwei Wochen Zeit. Das ist schaffbar, aber es durfte auch nicht mehr allzu viel dazwischen kommen. Darum entschied ich mich dann doch für den direkten Weg und gegen einen erneuten Abstecher in die Berge.

Trotz des starken Gegenwinds fuhr ich an diesem Tag entlang einer relativ öden Strecke bis nach Jayezan, wo es landschaftlich doch wieder etwas schöner wurde. Dort schlug ich mein Zelt am Fluss auf und unternahm eine Wanderung in die Berge.

Ein ausgetrocknetes, sandiges Flussbett ist zu sehen. An sandfarbenen Felsen in der Mitte lehnt das Fahrrad, und daneben steht das weiß-rote Zelt.
Zeltaufbau mal im FlussbettDas Solarpanel ist der Star dieses Bildes!
Wir schauen von einem Berg in das grüne Flachland. Zu sehen sind ein Fluss mit wenig Wasser und eine Straße, die bis zum Horizont führt.
Der Ausflug auf den Berg hat mich doch belohnt

Nach einer angenehmen Nacht unter dem Rauschen eines kleinen Wasserlaufs ging es am nächsten Tag unter starkem Rückenwind fast durchgehend bergab – jedenfalls so lange, bis ich nach gut 20 km feststellte, dass mein Solarpanel noch am Zeltplatz in der Sonne lag und nicht am Fahrrad befestigt war. So ging es unter starkem Gegenwind und einigen Selbsbeleidigungen die ganze Strecke wieder bergauf zurück.

Trotz dieser Tortur kam ich an diesem Tag wieder ganz gut voran, und auch die Gegend wurde immer schöner, da ich dem Fluss durch einige Schluchten folgte oder darüber hinweg fuhr.

Am Abend passierte mal wieder etwas Amüsantes. Wieder einmal wurde ich von einem Autofahrer angehalten und in ein Gespräch verwickelt, und wie immer wollte man mir irgendwie weiterhelfen. Jetzt hatte der Mann aber nichts dabei, war aber Mechaniker und wollte unbedingt etwas am Fahrrad reparieren oder mir zumindest etwas von seinem Werkzeug schenken. Er tat mir so leid, dass ich schon fast gewillt war, zumindest einen Schraubenschlüssel zu nehmen, aber zum Glück hat er eingesehen, dass ich gut bestückt bin und nichts brauche. 😅

Einen Zeltplatz fand ich schließlich in einem etwas abgelegenen Tal und machte auch hier wieder eine Wanderung in die Berge.

Nachtaufnahme: Die Konturen der schroffen Berge sind sichtbar. Ein leicht beleuchtetes Zelt steht im Vordergrund, angestrahlt vom Vollmond.
Mal wieder ein Bild bei Nacht

Abschied von den Bergen und Rückkehr der Pannen

Es waren nur noch wenige Kilometer zu trampeln, bis ich das zerklüftete Gebiet des letzten Tages hinter mir hatte und auf dem flachen Streifen vor dem Persischen Golf angekommen bin. Während sich meine Beine darüber gefreut haben, dass es ab jetzt weniger anstrengend wird, befürchtete der Rest von mir, öde 1.000 km bis Bandar Abbas vor mir zu haben.

Es nützte nichts, und nach einer kurzen Pause auf einem kleinen Plateau mit einer einsam wachsenden Blume, ging es die letzte Steigung herunter.

Nahaufnahme einer einzelnen Blume mit blassvioletter Blüte.
Die einzigste Blume weit und breit, sonst nur braune Erde und Büschel

Weit bin ich nicht gekommen, bis das erste Auto mich anhielt und Ibrahim (hoffe, ich habe den Namen noch richtig im Kopf) mich einlud. In Deylam angekommen, besorgte er mir eine SIM-Karte, lud mich zum Essen ein und führte mich etwas durch die Stadt. Wieder war ich eingeladen, länger zu bleiben oder sonstige Hilfe in Anspruch zu nehmen, aber es ging für mich weiter. Es fühlte sich bei Ibrahim irgendwie erwzungen an. Gastfreundschaft gegenüber Fremden ist ein hohes Gebot im Islam. Daher gibt es welche die es vom Herzen machen, und welche die machen weil es geboten ist. Ibrahim gehörte gefühlt zu letzterem.

Blick aufs Meer durch weiße Säulenbögen. Durch den mittleren Bogen sieht man vor dem Meer eine Schaukel
Ich stehe mit dem beladenen Reiserad am Straßenrand mit Blick auf einen endlos tiefen Strand, der wie eine Wüste wirkt.
Man könnte denken es ist Wüste, aber nein, es ist Strand. Und verdammt heiß!

Auf jeden Fall ging es nicht viel weiter, denn nach Enam Hasan erhaschte ich einen Blick auf ein paar Hügel, die sich vor dem Meer auftaten und mich einluden, hier mein Lager aufzuschlagen und die Aussicht von oben zu genießen.

Auf der linken Seite in einiger Distanz stehe ich auf gleicher Höhe an einer Klippe und posiere für die Kamera. Rechts davon geht es runter an den Strand und Meer
Hier zeigt sich der Iran wieder von seiner schönen Seite
Zelt am Strand, versteckt zwischen Büschen, während im Hintergrund die Sonne mit dem Meer verschmilzt
Ein seltenes Lager am Strand, was ich eigentlich versuche zu vermeiden

Weiter ging es leicht erkältet durch Bandar Ganaveh und Rig und über eine kleine Landstraße bis kurz vor Bushehr. Auf dieser Straße gab es nichts Interessantes, und auch das Nachtlager war belanglos. Dazu kommt, dass ich einfach fertig war. Ach ja, genau an diesem Tag schrieb ich den Beitrag, dass ich, seit ich den Reifen getapet hatte, keinen Platten mehr hatte. Natürlich hatte ich genau Heute wieder einen.

Langsam bereute ich es immer mehr, den Weg entlang der Küste gewählt zu haben. Sicher, der Zeltplatz zwei Tage zuvor war schön, aber die Fahrt gestern und an diesem Vormittag, durch endloses sandiges Flachland, war einfach öde und machte keinen Spaß. Ich hatte auch keine Lust, den Umweg in die Stadt Bushehr in Kauf zu nehmen und fuhr einfach vorbei.

Die Ölfelder von Kangan: Hölle und Erlösung

Zum Glück änderte sich die Landschaft nach Rostami, als links von mir nicht nur eine kleine Bergwand auftat, sondern die komplette Gegend mit abstrusen Steinformen auftrumpfte. Natürlich konnte ich nicht anders, stellte mittendrin mein Zelt auf und machte mich wieder mal auf den Weg, die Berge zu besteigen.

Zentriert im Bild steht ein Felsen, der wie ein Quader auf einer schrägen Säule thront. Die Farben von Boden und Felsen sind sandig. Im Hintergrund sind sehr schroffe, fast außerirdisch wirkende graue Felsformationen zu sehen
Wirkt wie auf einen anderen Planeten
Blick in eine sandige Steinwüste. Am Horizont ragen einzelne Plateauplatten aus der Erde
In einer Steppenähnlichen Landschaft steht ein einzelner Baum und in dessen Schatten ist ein Zelt aufgebaut
Lieber ein Platz im Schatten, als in der Sonne 😉

Alles Schöne muss auch irgendwann enden. So hatte ich am nächsten Morgen nur noch die letzten Ausläufer dieser tollen Landschaft vor mir, und es ging wieder zurück ins Ödland. Dafür war die Farbpalette für das Auge teilweise wunderschön: Rote Flechten auf gelbem Sand, grüne Bäume und blauer Himmel.

Ein grüner Baum steht in einer wüstengelben Landschaft. Rote Flechten bedecken den Boden um den Baum, und der Himmel leuchtet beinahe blau.
Ich liebe diese Farbkontraste

Aber es dauerte nicht lange und die Umgebung, zusammen mit meiner Stimmung, änderte sich gewaltig. Dabei sah es auf der Karte mit den Bergen um Kangan erstmal sehr vielversprechend aus. Aber sobald ich, nennen wir es mal „Sicht“, auf die Berge hatte, wusste ich, dass da etwas nicht passt.

Eine Straße führt geradeaus weiter. Die Berge am Horizont sind vor lauter Smog nicht mehr zu erkennen. Am rechten Straßenrand weht eine schwarze Flagge
Hier wusste ich schon, es kommt was schlimmes auf mich zu!

In Kangan werden 50% des Erdöls vom Iran verarbeitet, und das sieht und riecht man. Es war unglaublich heiß, es ging durchgehend bergauf und wieder bergab, die Sicht war fast null, und jegliches Atmen kratzte in Nase und Hals und es brannte in den Augen. Es war einfach ekelhaft. Ich versuchte zwar immer so gut wie möglich dem Smog auszuweichen, indem ich mich an Küstenstädte hielt, hatte dadurch aber andere Probleme wie in Sirino, wo ich in eine Sackgasse fuhr, da entland der Küste nur noch Firmenfahrzeuge erlaubt waren. In meinem Versuch, nach Nakhl-e Taghi abzukürzen, wurde ich von der Security von der Straße gezogen, durfte aber nach heftigen Schimpftiraden meinerseits, in dieser Hitze und dem Gestank zu radeln, dennoch weiterfahren. Ich war echt froh, als dieses Zwischenstück vorüber war.

Eine geschwungene Straße führt durch eine smogbelastete, karge, graubraune Hügellandschaft. Überall ragen Türme mit Pilotflammen aus dem Boden. In der Entfernung sind Rauchschlote und auf den Straßen Tanklaster zu sehen.
Der absolute landschaftliche Tiefpunkt des Irans, und auch der bisherigen Reise

Nach den letzten Tagen war ich echt froh, wieder auf kleinere Landstraßen ausweichen zu können, und das hat sich auch rentiert. Anstelle von Smog und Verkehr, hatte ich Ruhe und Natur. Es ist zwar bis Bandar Abbas nicht mehr viel passiert, aber dennoch habe ich die Strecke aufgrund der wieder sehr ansprechenden Natur sehr genossen.

Eine Felsformation in Form eines Tunnels. Wir blicken hindurch auf die Berge im Hintergrund
Tunnelblick!
Vor einer weißen Wasserzisterne steht mein Rad. Im Hintergrund steil aufragende Lehmfarbene Berge
Ab hier gab es überall Wasserzisternen. Die meisten aber nicht mehr benutzbar
Ein Feldweg führt in leichten Kurven durch eine Savanne. Der Boden ist strohgelb von vertrockneten Grasbüscheln, und vereinzelt wachsen Bäume.
Es ging nochmal querfeldein, aber viel passierte nicht mehr



Ach ja, ich hab meine ersten Kamele getroffen. Das ist passiert!

Zentriert im Bild steht ein dunkelbraunes Kamel, seitlich zur Kamera und schaut zu uns. Im Hintergrund ragen pastellfarbene hellbraune Berge auf
Das erste Kamel!

Das Fährticket-Chaos in Bandar Abbas

Nochmals wegen Pakistan, falls da noch Fragen offen sind: Ich habe weiterhin kein Visum und keine Antwort von der pakistanischen Botschaft erhalten und habe mich deswegen entschieden, vorerst mit der Fähre nach VAE (Vereinigte Arabische Emirate) zu fahren und erstmal die arabische Halbinsel unsicher zu machen. Ich habe zwar zwischenzeitlich von jemandem gehört, der das gleiche Problem hatte und sein Visum dann aber direkt in der Botschaft abholen konnte, aber das war mir dann zu kurzfristig.

In Bandar Abbas angekommen, wollte ich gar nicht lange rum machen, schließlich hatte ich nur noch drei Tage Aufenthalt im Iran, bis mein Visum auslief. Und nein, so einfach wie im Rest der Welt ist das nicht. Normalerweise würde ich einfach online ein Ticket buchen, bezahlen und mit dem elektronischen Ticket zum Check-in gehen. Hier aber gibt es weder einen Online-Shop noch digitale Zahlmöglichkeiten. Bei der Shipping Company wurde ich zum Ticketkauf an den Hafenschalter verwiesen, während mich dieser wieder zur Shipping Company verwiesen hat. Niemand wusste, wann ein Schiff fährt, noch wo ich ein Ticket bekomme.

Während ich gerade am Port mit dem Wachpersonal an der Schranke diskutierte, hielt ein Auto neben uns an und jemand bot mir einfach so seine Hilfe an. Nachdem ich mit ihm mitgekommen bin, saßen wir zusammen im Auto und er sagte mir, dass er mir für 100€ ein Ticket besorgt. Ich hatte keine Sicherheit und nicht mehr als sein Wort und seine Karte, aber auch nicht allzu viele andere Möglichkeiten, also drückte ich ihm das Geld in die Hand und machte es mir erst einmal im Hotel gemütlich.

Ich machte mir echt Sorgen und schaute mich nebenbei schon nach Flügen um, die ich zumindest online buchen konnte. Aber umsonst, denn einen Tag später stand Abbas im Hotel und drückte mir das Ticket in die Hand. Wenn jemand Hilfe beim Ticket buchen benötigt, schreibt einfach Abbas an, oder mich und ich vermittle die Nummer weiter.

Aber für mich geht es jetzt weiter nach Dubai…

Noch ein kleines, sehr viel später geschriebenes Update zum Pakistan Visum. Im April 2024 erhielt ich von der Paksitanischen Botschaft die E-Mail, dass ich jetzt das Visum bekommen habe und zwischen April und Mai 2023! einreisen darf. Was ist denn da schon wieder schief gelaufen.