Endlich ging es wieder los, noch mit einem provisorisch geflickten Rahmen. Nach einem ausgiebigen Start am Morgen machte ich mich erst mittags auf den Weg. Die Route führte zunächst nach Mtskheta und von dort weiter über die Landstraße bis kurz vor Kaspi, wo ich schließlich mein Zelt aufstellte. Bis auf einige Hunde verlief der Tag ruhig, und ich genoss es wirklich, wieder im Sattel zu sitzen.

Noch eine Anmerkung zwischendrin. Ich hatte derzeit noch keine weitere Info Vsf erhalten und fuhr weiter mit den gebrochenen Rahmen. Die gebrochene Stelle habe ich mit halbierten Aluminiumrohren, Rohrschellen, Messingdraht und Isotape fixiert, versteift und abgedichtet und hoffte dass es erstmal hält.


Die Nacht war kalt und die Kopfschmerzen des Vortages hielten noch an. Umso überraschender war der Anblick der Berge links meiner Route, die gestern noch hinter dem Dunst verborgen lagen. Auf der Fahrt entlang der Weinroute fiel mir auf, dass viele Verkaufsstände leer standen. Zu einer anderen Jahreszeit wäre hier sicherlich mehr los gewesen, doch die Einsamkeit hatte auch ihren Reiz: Die Straße gehörte fast ausschließlich mir.



In Gosi machte ich noch einen kurzen Abstecher in die Stadt, doch die Straße hoch zur Burg war gesperrt und ich wollte das Bike nicht stehen lassen. Die Suche nach einem Schlafplatz war erneut unkompliziert. Ich fand einen schönen Platz mit Aussicht auf eine Burg und den hohen Kaukasus.
Am Morgen präsentierte sich alles in Grau in Grau. Nicht nur der Himmel, auch die Städte, Straßen und die Landschaft wirkten eintönig, während die Kopfschmerzen vom Vortag nicht nachließen. Eine Apotheke half mit frischem Paracetamol weiter.
Die Fahrt entlang der Hauptstraße war nicht besonders spannend, da LKW mir immer wieder den Weg versperrten. Durch geschicktes Ausweichen ins Grün konnte ich aber problemlos weiterfahren. Der Tag schien zunächst wenig zu bieten, bis ich die Stadt Borjomi erreichte, die wenigstens etwas Farbe in das trostlose Grau brachte.

Später begann es zu regnen und zu schneien. Da es schon spät war, verzichtete ich darauf, im Regen zu kochen, und machte es mir stattdessen für eine halbe Stunde in einem Fast-Food-Stand bequem, während ich einen Kaffee trank. Kurz darauf bemerkte ich einen Platten. Nach einer halben Stunde erfolgloser Suche montierte ich alles wieder zusammen – überraschenderweise blieb die Luft drin. Vermutlich ein kleiner Streich des Schicksals.

Als Zeltplatz diente ein Pavillon der Borjomi-Rafter. Ich machte ein Feuer für heiße Kartoffeln und teilte mein Brot mit einem neuen Freund. Endlich war es wärmer, und die Fahrt durch das Kuratal machte wieder richtig Spaß, gesäumt von zahlreichen Burgen und Burgruinen.

Da mein vierbeiniger Begleiter mein Frühstück bekommen hatte, gönnte ich mir selbst ein Fast-Food-Frühstück, wenn auch zum doppelten Preis: Statt der üblichen 2,50 € zahlte ich 5 € für Kaffee und Teigtasche – ärgerlich, aber verschmerzbar. Das Wetter spielte erneut mit: Ein Berg war kurzzeitig wolkenfrei, bevor sich die Wolken wieder senkten.

Ein weiterer Platten wartete auf mich. Diesmal handelte es sich um einen neuen Schnitt im Reifen, der jedoch schnell geflickt war. Für längere Touren empfehle ich den Marathon Plus Tour; mit ihm hatte ich bisher nur einen Platten auf 10.000 km, im Gegensatz zum normalen Marathon, bei dem seit Ankara bereits zwölf vorkamen.


Am nächsten Tag erwartete mich eine neue Herausforderung. Der lehmige Boden war durch den Schneeregen der letzten Nacht völlig aufgeweicht und klebte unnachgiebig an Reifen und Schuhen, sodass ich vor dem Losfahren erst einmal den Dreck entfernen musste.


Nach 15 km und einigen Höhenmetern hielt mich schließlich die Polizei an. Der Pass nach Kutaisi war gesperrt. Oben lag knapp ein Meter Schnee, nichts war geräumt, und auch die direkte Straße Richtung Batumi war unpassierbar. Es blieb mir nur, die 100 km seit Kashuri zurückzufahren. Eine Alternative über die Türkei kam wegen des begrenzten Aufenthaltszeitraums nicht infrage.


Normalerweise empfindet man als Reiseradler das Zurückfahren als Rückschritt. Doch dieses Mal war ich überglücklich, da das Wetter deutlich besser war als bei der Hinfahrt. So konnte ich die Berge und Burgen viel intensiver genießen.
Abends kehrte ich wieder an denselben Pavillon zurück, an dem ich schon zwei Tage zuvor übernachtet hatte, und beendete den Tag mit einer erhitzten Flasche Wein.