Quälen durch die Wüste

Ein Großer Ghaf Baum dominiert das Bild. Der Sonnenaufgang färbt den Himmel von Lila auf der linken Seite, über Rot und Orange, bis hin zu glühenden Gelb am rechten Horizont. Unter dem Baum ist mein Zelt
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Hotel-Drama in Ras Al Khaimah

Die Zeit im Hotel in Ras Al Khaimah begann erst einmal mit ein paar großen Missverständnissen. So kostete die Nacht, inklusive Frühstück, laut AirBnB, 30€ komplett. Als ich schließlich ankam, wurden zusätzliche 2€ an der Rezeption fällig und als ich endlich im Hotelzimmer ankam, kam per E-Mail noch die Benachrichtigung von AirBnB, dass ich doch bitte noch 6€ draufzahlen sollte. Ist jetzt nicht viel Geld, aber hat mich trotzdem sehr genervt.

Am nächsten Morgen beim Frühstück dann der nächste Schreck. Nachdem ich gerade mein Tablet ordentlich mit Allerlei beladen hatte und mich tierisch auf einen richtig guten schwarzen Kaffee freute, machte mich ein Angestellter darauf aufmerksam, dass das Frühstück nicht inklusive ist. Jetzt war ich aber echt stinkig und wollte das klären und hatte zum Glück Screenshots vom AirBnB-Angebot im Speicher. Nachdem ich meinen Unmut geäußert und dem Angestellten gezeigt hatte, dass ich im Recht bin, sollte ich noch auf den Manager warten.

Eine gute Stunde später war es soweit und nach einem klärenden Gespräch waren Manager, Angestellte und ich glücklich, da wir zu einer guten Übereinkunft gekommen sind. Anschließend buchte ich sogar noch eine weitere Nacht, denn ich war echt zu faul weiterzufahren und verbrachte den ganzen Tag damit, Cixin Liu’s Trisolaris-Trilogie zu Ende zu lesen.

Am nächsten Tag wollte ich eigentlich direkt früh nach dem Frühstück weiterfahren, ließ mich dann aber noch zu einem kleinen Fotoshooting mit der super freundlichen Staff überreden, so dass es dann doch etwas später wurde.

Ich stehe zusammen mit den Angestellten des Hotels im Foyer, neben der Rezeption.

Der Gipfel von Jebel Jais war das heutige Ziel, aber ich merkte gleich, dass es aufgrund meiner Verspätung zu heiß wird, um das heute noch zu schaffen. So wollte ich mir unterwegs einen frischen Orangensaft gönnen, aber der Verkäufer drückte mir zwei in die Hand und verlangte 10€. Ich hatte bei der Mittagshitze aber sowas von keine Lust auf Diskussion, dass ich es akzeptiert habe.

Wieder mal hab ich keinen schönen Platz fürs Zelt gefunden, was in den Bergen auch kein Wunder war, und übernachtete direkt neben der Straße. Ich muss aber auch sagen, so Wasserröhren sind echt bequem und kühl, wenn auch etwas eng.

Eine Betonröhre in der Mitte des Bildes. Ich liege erschöpft darin, die Beine an die eine Wand und den Rücken an die andere gekrümmt. Meine Zunge hängt aufgrund der Hitze aus dem Mund. Neben der Röhre steht das noch voll bepackte Fahrrad.
Dem Berg hoch wurde es einfach zu heiß. Ich brauchte Schatten.
Ein pyramidenförmiger sandiger Berg ragt im Hintergrund auf. Ich fahre seitlich versetzt mit dem Rad auf die Kamera zu, lehne mich Richtung Straßenmitte vom Fahrrad und strecke den Daumen nach oben.
Am Fuße des Haschar Gebirges war die Laune noch gut
Das Bild ist geprägt von einer massiven Steinwand im Hintergrund und einem Boden voller Geröll. Ich sitze erschöpft und etwas verzweifelt in dem kleinen Schattenbereich, den die Fläche bietet.
Ich musste jeden Schatten zum Kräfte sammeln ausnutzen
Eine Straße führt erhöht über eine Schlucht durch die sandfarbenen Berge. Am Fuße der Straße steht mein Zelt mitten in der Sonne
Wenn der Schatten vom Zelt weicht, weiche ich vom Zelt

Die Magie der Flagge und der Objektivbruch

Die Nacht direkt neben der Straße war weitaus angenehmer als gedacht. Nachts fuhr kein Auto mehr, da es nur eine Zufahrtsstraße zum Gipfel ist, was mir auch völlig recht war. Der Tag versprach auch richtig toll zu werden. Das Wetter passte, der Körper machte mit, die Straße war super und die Steigung war mit 4–5 % auch nicht zu steil. Nur hatte meine Lust irgendwie nicht mitgespielt. So radelte ich an diesem Tag noch knapp 1.000 Höhenmeter, bis zum ersten Aussichtsplateau, an dem ich Geld fürs Betreten zahlen sollte, hatte dann plötzlich aus unerfindlichen Gründen keine Lust mehr und drehte um. Es war nicht nur, dass sie Geld für die Aussicht wollten, sondern auch die drückende Hitze, die Anstrengung und meine allgemeine Stimmung, die nicht mitmachen wollte.

Das beladene Fahrrad lehnt an einer Mauer. Hinter der Mauer steht in weißer Schrift auf grünem Kunstrasen: Jebel Jais.
Ankunft am ersten Plateau. Hier war das Ende dieser Etappe
Wir stehen auf einem kleinen, steinigen Plateau. 50 Meter vor uns fällt es ab und gibt den Blick frei auf die Berge des Hadschar-Gebirges. Direkt am Rand steht eine dunkelbraune Ziege und schaut in die Ferne.
Selbst die Ziegen genießen den Ausblick
Wir stehen an einem Abgrund mit Blick auf ein Gebirge im Hintergrund. Unter uns sehen wir die unendlichen Serpentinen, die ich eben noch hochgefahren bin.
Ein Blick auf den Weg zurück

Nachdem ich wieder auf Meereshöhe war, führte mich mein Weg weiter in Richtung der Ostküste. Beim Einkaufen sah ich direkt an der Kasse Flaggen von VAE, für knapp 25 Cent, und kaufte mal aus Jux eine und befestigte sie am Rad. Und was soll ich sagen, ich wurde zwar vorher auch schon mal angehalten, wie beispielsweise von Saf, aber das war eher die Ausnahme. Jetzt, mit der Flagge am Rad, schien ich schon eher ein Magnet zu sein. Immer wieder hielten Autos an oder reichten mir unter dem Fahren Wasserflaschen und Süßigkeiten. Ein anderer, wenn auch einen Tag später, drückte mir aus dem fahrenden Auto sogar 50 € in die Hand. Kann jetzt alles nur Zufall sein, kann aber auch sein, dass ich demnächst öfters eine Flagge am Rad habe.

Links im Vordergrund steht mein bepacktes Reiserad. Rechts daneben im Hintergrund, ist auf einer weißen Häuserwand ein Gemälde eines altmodischen geschwungenen Fahrrads
Brüder im Geiste

Dank des Rückenwinds schaffte ich an diesem Tag noch fast die Strecke bis nach Dibba am Golf von Oman und zeltete in Sicht des Dörfchens Wadi Fay. Nachdem ich noch Besuch von einem Local bekam und gefragt wurde, ob ich etwas benötige, machte ich mich auf den Weg in die Berge, wo es mal wieder Zeit für ein Missgeschick wurde. Nachdem ich meine Kamera aufs Stativ gesetzt hatte und ich in dem zum Gipfel hochgestürmt bin, sah ich gerade als ich oben ankam das Stativ umkippen. Fluchend ging es genauso schnell wieder runter, wie zuvor hoch und wusste schon was passiert ist. Die Kamera lag auf dem Zoomobjektiv und wie befürchtet, hatte es einen Knacks. Ich werde also schauen müssen, es reparieren zu lassen. Das ist jetzt nicht so schlimm, hab ich ja auch noch zwei Ersatzobjektive dabei. Aber als Festbrennweiten sind die nicht so bequem zu benutzen.

Im Hintergrund dieses grauen Wüstenbilds ist eine weiße Ortschaft zu sehen. In der Mitte stehen Ghaf Bäume, und darunter steht mein Zelt.
Schlecht versteckt

in spitz zulaufender Berg dominiert das Bild. Ich stehe auf dessen Spitze.
Der Moment bevor das Stativ umkippte
Mein Zoomobjektiv im Großformat auf einem Stein. Man erkennt eindeutig, dass die Zoomfunktion gebrochen ist.
Mein liebstes Objektiv ist gegangen

Kampf gegen die Hitze und die schlimmste Toilette Arabiens

Am nächsten Tag ging es am Golf von Oman weiter, ohne dass viel passierte. Es ging den ganzen Tag bei starker Hitze fast ausschließlich durch Städte, an Gewerbegebiete und Industrieanlagen vorbei und ich war wirklich froh, als ich am späten Nachmittag in Kalba angekommen bin. Hier ging es endlich wieder in die Berge zurück und ich stoppte direkt vor dem Einstieg und baute mein Zelt, mal wieder direkt neben der Straße auf.

Eine Straße führt durch die Berge auf uns zu. Wir schauen von oben darauf und sehen mich mit dem Fahrrad entlang fahren
Es geht wieder bergauf

Der Abschnitt am nächsten Tag war von den Höhenmetern nicht so schlimm, wie ich es erwartet hatte, zog sich aber lange hin, besonders da auch der Wind mal wieder nicht auf meiner Seite war. Die Hitze konterte ich mit ausreichend Calippo-Eis, das ich immer wieder unterwegs am Straßenrand fand. Ich fand nebenbei auch die schlimmste Toilette Arabiens, die noch schlimmer war als “the worst toilet in Scotland”.

Ich muss zugeben, dass mich die Hitze doch sehr mitnimmt und so plante ich schon im Voraus, wo ich mein Nachtlager aufschlagen möchte. Zumindest dachte ich das, schließlich waren bis jetzt bei jedem Autobahnkreuz schöne, kühle Wasserabflüsse, in denen ich mein Zelt aufbauen konnte. Als ich am gewünschten Platz ankam, war natürlich alles eingezäunt und ich kam nirgends ran. Der Autobahn folgend, hörte der Zaun auch nicht auf, bei jeder Unterführung, jedem Abfluss und jedem Kreuz war der Weg dorthin versperrt. Ein paar Kilometer weiterfahren ist ja normalerweise nicht schlimm, aber ab einer gewissen Temperatur und Grad der Erschöpfung, zusammen mit dem zu jedem weiteren Kilometer wachsenden Gefühl der Verzweiflung, hat man einfach mal die Schnauze voll, ergreift auch eben solche Maßnahmen und baut sein Zelt keine 10 m von der Autobahn entfernt auf. Die Nacht war trotz Ohropax nicht gerade leise, aber dafür hatte ich einen schönen Sonnenuntergang im Zelt.

Ich liege in meinem Innenzelt. Das Bild zeigt die Sicht aus meinen Augen, wobei ich einen E-Book-Reader lässig in der Hand halte. Durch das Zelt-Mesh blicken wir auf den Horizont und die untergehende Sonne

Zwei Wochen Faulheit in Al Ain

Für den nächsten Tag hatte ich eine Unterkunft in Al Ain reserviert, dieses Mal in einem Hostel. Zwar waren dafür 100 km zu radeln, aber da ich eh nicht schlafen konnte, konnte ich auch ebenso gut sehr früh losfahren und durchradeln. Wie es dann so manchmal passiert, genoss ich die Zeit im Hostel so sehr, dass ich eine Nacht verlängerte. Aus einer Nacht wurden zwei, dann drei und schließlich zwei Wochen der Faulheit. Aber bald geht es wieder weiter, Richtung Oman.