Die Solarpanel-Tortur und freundliche Mechaniker
Für die restliche Strecke von 1.100 km bis zur Fähre nach Bandar Abbas hatte ich noch gut zwei Wochen Zeit. Das ist schaffbar, aber es durfte auch nicht mehr allzu viel dazwischen kommen. Darum entschied ich mich dann doch für den direkten Weg und gegen einen erneuten Abstecher in die Berge.
Trotz des starken Gegenwinds fuhr ich an diesem Tag entlang einer relativ öden Strecke bis nach Jayezan, wo es landschaftlich doch wieder etwas schöner wurde. Dort schlug ich mein Zelt am Fluss auf und unternahm eine Wanderung in die Berge.
Nach einer angenehmen Nacht unter dem Rauschen eines kleinen Wasserlaufs ging es am nächsten Tag unter starkem Rückenwind fast durchgehend bergab – jedenfalls so lange, bis ich nach gut 20 km feststellte, dass mein Solarpanel noch am Zeltplatz in der Sonne lag und nicht am Fahrrad befestigt war. So ging es unter starkem Gegenwind und einigen Selbsbeleidigungen die ganze Strecke wieder bergauf zurück.
Trotz dieser Tortur kam ich an diesem Tag wieder ganz gut voran, und auch die Gegend wurde immer schöner, da ich dem Fluss durch einige Schluchten folgte oder darüber hinweg fuhr.
Am Abend passierte mal wieder etwas Amüsantes. Wieder einmal wurde ich von einem Autofahrer angehalten und in ein Gespräch verwickelt, und wie immer wollte man mir irgendwie weiterhelfen. Jetzt hatte der Mann aber nichts dabei, war aber Mechaniker und wollte unbedingt etwas am Fahrrad reparieren oder mir zumindest etwas von seinem Werkzeug schenken. Er tat mir so leid, dass ich schon fast gewillt war, zumindest einen Schraubenschlüssel zu nehmen, aber zum Glück hat er eingesehen, dass ich gut bestückt bin und nichts brauche. 😅
Einen Zeltplatz fand ich schließlich in einem etwas abgelegenen Tal und machte auch hier wieder eine Wanderung in die Berge.

Abschied von den Bergen und Rückkehr der Pannen
Es waren nur noch wenige Kilometer zu trampeln, bis ich das zerklüftete Gebiet des letzten Tages hinter mir hatte und auf dem flachen Streifen vor dem Persischen Golf angekommen bin. Während sich meine Beine darüber gefreut haben, dass es ab jetzt weniger anstrengend wird, befürchtete der Rest von mir, öde 1.000 km bis Bandar Abbas vor mir zu haben.
Es nützte nichts, und nach einer kurzen Pause auf einem kleinen Plateau mit einer einsam wachsenden Blume, ging es die letzte Steigung herunter.

Weit bin ich nicht gekommen, bis das erste Auto mich anhielt und Ibrahim (hoffe, ich habe den Namen noch richtig im Kopf) mich einlud. In Deylam angekommen, besorgte er mir eine SIM-Karte, lud mich zum Essen ein und führte mich etwas durch die Stadt. Wieder war ich eingeladen, länger zu bleiben oder sonstige Hilfe in Anspruch zu nehmen, aber es ging für mich weiter. Es fühlte sich bei Ibrahim irgendwie erwzungen an. Gastfreundschaft gegenüber Fremden ist ein hohes Gebot im Islam. Daher gibt es welche die es vom Herzen machen, und welche die machen weil es geboten ist. Ibrahim gehörte gefühlt zu letzterem.
Auf jeden Fall ging es nicht viel weiter, denn nach Enam Hasan erhaschte ich einen Blick auf ein paar Hügel, die sich vor dem Meer auftaten und mich einluden, hier mein Lager aufzuschlagen und die Aussicht von oben zu genießen.


Weiter ging es leicht erkältet durch Bandar Ganaveh und Rig und über eine kleine Landstraße bis kurz vor Bushehr. Auf dieser Straße gab es nichts Interessantes, und auch das Nachtlager war belanglos. Dazu kommt, dass ich einfach fertig war. Ach ja, genau an diesem Tag schrieb ich den Beitrag, dass ich, seit ich den Reifen getapet hatte, keinen Platten mehr hatte. Natürlich hatte ich genau Heute wieder einen.
Langsam bereute ich es immer mehr, den Weg entlang der Küste gewählt zu haben. Sicher, der Zeltplatz zwei Tage zuvor war schön, aber die Fahrt gestern und an diesem Vormittag, durch endloses sandiges Flachland, war einfach öde und machte keinen Spaß. Ich hatte auch keine Lust, den Umweg in die Stadt Bushehr in Kauf zu nehmen und fuhr einfach vorbei.
Die Ölfelder von Kangan: Hölle und Erlösung
Zum Glück änderte sich die Landschaft nach Rostami, als links von mir nicht nur eine kleine Bergwand auftat, sondern die komplette Gegend mit abstrusen Steinformen auftrumpfte. Natürlich konnte ich nicht anders, stellte mittendrin mein Zelt auf und machte mich wieder mal auf den Weg, die Berge zu besteigen.
Alles Schöne muss auch irgendwann enden. So hatte ich am nächsten Morgen nur noch die letzten Ausläufer dieser tollen Landschaft vor mir, und es ging wieder zurück ins Ödland. Dafür war die Farbpalette für das Auge teilweise wunderschön: Rote Flechten auf gelbem Sand, grüne Bäume und blauer Himmel.

Aber es dauerte nicht lange und die Umgebung, zusammen mit meiner Stimmung, änderte sich gewaltig. Dabei sah es auf der Karte mit den Bergen um Kangan erstmal sehr vielversprechend aus. Aber sobald ich, nennen wir es mal „Sicht“, auf die Berge hatte, wusste ich, dass da etwas nicht passt.

In Kangan werden 50% des Erdöls vom Iran verarbeitet, und das sieht und riecht man. Es war unglaublich heiß, es ging durchgehend bergauf und wieder bergab, die Sicht war fast null, und jegliches Atmen kratzte in Nase und Hals und es brannte in den Augen. Es war einfach ekelhaft. Ich versuchte zwar immer so gut wie möglich dem Smog auszuweichen, indem ich mich an Küstenstädte hielt, hatte dadurch aber andere Probleme wie in Sirino, wo ich in eine Sackgasse fuhr, da entland der Küste nur noch Firmenfahrzeuge erlaubt waren. In meinem Versuch, nach Nakhl-e Taghi abzukürzen, wurde ich von der Security von der Straße gezogen, durfte aber nach heftigen Schimpftiraden meinerseits, in dieser Hitze und dem Gestank zu radeln, dennoch weiterfahren. Ich war echt froh, als dieses Zwischenstück vorüber war.

Nach den letzten Tagen war ich echt froh, wieder auf kleinere Landstraßen ausweichen zu können, und das hat sich auch rentiert. Anstelle von Smog und Verkehr, hatte ich Ruhe und Natur. Es ist zwar bis Bandar Abbas nicht mehr viel passiert, aber dennoch habe ich die Strecke aufgrund der wieder sehr ansprechenden Natur sehr genossen.
Ach ja, ich hab meine ersten Kamele getroffen. Das ist passiert!

Das Fährticket-Chaos in Bandar Abbas
Nochmals wegen Pakistan, falls da noch Fragen offen sind: Ich habe weiterhin kein Visum und keine Antwort von der pakistanischen Botschaft erhalten und habe mich deswegen entschieden, vorerst mit der Fähre nach VAE (Vereinigte Arabische Emirate) zu fahren und erstmal die arabische Halbinsel unsicher zu machen. Ich habe zwar zwischenzeitlich von jemandem gehört, der das gleiche Problem hatte und sein Visum dann aber direkt in der Botschaft abholen konnte, aber das war mir dann zu kurzfristig.
In Bandar Abbas angekommen, wollte ich gar nicht lange rum machen, schließlich hatte ich nur noch drei Tage Aufenthalt im Iran, bis mein Visum auslief. Und nein, so einfach wie im Rest der Welt ist das nicht. Normalerweise würde ich einfach online ein Ticket buchen, bezahlen und mit dem elektronischen Ticket zum Check-in gehen. Hier aber gibt es weder einen Online-Shop noch digitale Zahlmöglichkeiten. Bei der Shipping Company wurde ich zum Ticketkauf an den Hafenschalter verwiesen, während mich dieser wieder zur Shipping Company verwiesen hat. Niemand wusste, wann ein Schiff fährt, noch wo ich ein Ticket bekomme.
Während ich gerade am Port mit dem Wachpersonal an der Schranke diskutierte, hielt ein Auto neben uns an und jemand bot mir einfach so seine Hilfe an. Nachdem ich mit ihm mitgekommen bin, saßen wir zusammen im Auto und er sagte mir, dass er mir für 100€ ein Ticket besorgt. Ich hatte keine Sicherheit und nicht mehr als sein Wort und seine Karte, aber auch nicht allzu viele andere Möglichkeiten, also drückte ich ihm das Geld in die Hand und machte es mir erst einmal im Hotel gemütlich.
Ich machte mir echt Sorgen und schaute mich nebenbei schon nach Flügen um, die ich zumindest online buchen konnte. Aber umsonst, denn einen Tag später stand Abbas im Hotel und drückte mir das Ticket in die Hand. Wenn jemand Hilfe beim Ticket buchen benötigt, schreibt einfach Abbas an, oder mich und ich vermittle die Nummer weiter.
Aber für mich geht es jetzt weiter nach Dubai…
Noch ein kleines, sehr viel später geschriebenes Update zum Pakistan Visum. Im April 2024 erhielt ich von der Paksitanischen Botschaft die E-Mail, dass ich jetzt das Visum bekommen habe und zwischen April und Mai 2023! einreisen darf. Was ist denn da schon wieder schief gelaufen.









