Die Landschaft haut mich um!

Ich fahre mit meinem voll bepackten Tourenrad bergauf auf die Kamera zu. Hinter mir erstreckt sich ein grünes Tal, gerahmt von im Nebel verschlungenen Bergen
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Sauberkeit und Geschwindigkeitsrausch

Dieser Tag begrüßte mich schon früh am Morgen mit herrlichem Sonnenschein. Zwar war mein Rad noch voller Schlamm und ich musste es am Fluss erst noch mal ordentlich sauber machen, aber ich war bester Laune.

Der Hochnebel der Berge löst sich langsam unter der Sonne und dem azurblauen Himmel auf
Noch bin ich über den Hochnebel, aber bald geht es bergab und hinein.

Auch die heutige Route war super. Zwar war die Straße immer noch eng, aber der heutige Tag stand unter dem Motto: Höhenmeter extrem reduzieren. So kam es öfter vor, dass ich LKWs überholte, als dass ich mich überholen lassen musste.

Erst ging es noch durch Hochnebelfelder, mit immer wieder einzelnen Stellen, wo die Sonnenstrahlen durchschienen, bis runter an den Kashkan. An dessen Ufer entlang ging es bis zur Stadt Pol Dokhtar. Da es geplant die einzige Stadt auf der heutigen Etappe war, kaufte ich hier ordentlich ein, bekam noch ein Eis geschenkt und wurde kurz darauf von jemandem zu einem Zeitungsinterview eingeladen.

Ramadan, Findlinge und beeindruckende Berge

Am heutigen Tag fiel mir auf, dass der Ramadan hier doch nur etwas sehr Theoretisches ist. Überall bei diesem tollen Wetter sah man Familien am Straßenrand picknicken. Von daher genierte ich mich auch nicht mehr. Aber alle Fast-Food-Restaurants für Kebab, Shawarma oder Ähnliches haben geschlossen.

Direkt nach der Stadt führte mich mein Weg an einer Art Steinwüste vorbei, die voller Findlinge und Felsen lag, wo ich schließlich leicht verspätet Mittag machte und auch eine kleine Wandertour abseits der Wege unternahm.

Auf der Wiese steht ein großer beiger Findling, der sich nach unten immer weiter verjüngt
Tolle Gesteinslandschaft
Ich sitze links im Vordergrund mit dem Rücken zur Kamera und esse einen Apfel. Vor mir erstreckt sich eine Wiese voll fußballgroßer Steine
Perfekt für eine Pause

Als es auf dem Rad weiterging, wurde die Landschaft immer beeindruckender. Östlich von mir führte ein fast kerzengerade verlaufender Bergwall entlang der Straße, der aufgrund der immer gleichen Steigung bald schon künstlich aussah dafür aber viel zu massiv war. (Zur Information, es handelt sich dabei um eine Antiklinale, eine Aufwölbung der Erdplatte). Rechts von mir, etwas hinter dem Fluss, war ebenfalls ein Bergmassiv, das von tiefen und steilen Schluchten gekennzeichnet war. Leider ließen die Lichtverhältnisse keine Bilder davon zu.

Ein Bild einer gerade aus führenden Straße. Auf ihrer linken Seite ist ein massiver linearer Bergwall (Antiklinale) zu sehen
Der Bergwall ist hier gut sichtbar und erstreckt sich über 50 km

Mein Lager schlug ich heute wieder früh auf. Ich hatte schon genügend Kilometer, wollte noch vor der Autobahn einen Platz finden, und der wichtigste Punkt: Ich wollte die Landschaft genießen. So machte ich noch eine kleine Bergtour, entdeckte einen komischen Steinkreis neben meinem Zelt und nähte zum Abschluss des Tages noch Taschen, Hosen und kümmerte mich um sonstige Ausrüstung.

Ich stehe in mittlerer Entfernung auf einer Bergspitze. Hinter mir erstrecken sich massive Schluchten und die Sonne bricht durch den wolkenbehangenen Himmel
Was für eine Aussicht!
Ich sitze vor dem Zelt und nähe meine Fahrradtasche mit Zahnseide
Die Ausrüstung muss ebenfalls mit Zahnseide gepflegt werden 🙂
Ein kleiner Feenkreis aus Steinen
Welches Geheimnis versteckt sich hier?
Karmesinrote Mohnblumen blühen vor einem Fluss und wolkenverhangenen Bergen
Auch mal wieder die Schönheit der Natur wertschätzen

Hochsommergefühle und das Brot-Problem

Langsam scheint der Frühling vorbei zu sein und der Hochsommer drängt so langsam durch. Jedenfalls war das mein heutiges Empfinden, da die Temperaturen immer weiter in die Höhe schnellten. Dafür ging es auch heute weiterhin bergab – zumindest im Großen und Ganzen –, so dass der Tag doch angenehm blieb.

Der Weg führte heute wieder durch weite Schluchten und schöne Berge, die teilweise an das Monument Valley erinnert haben, auch wenn ich nicht viel davon festgehalten habe. Besonders schön war aber der Blick von der Stadt Hoseyniyeh aus auf den entfernten, türkisblauen Shayon See und die beeindruckend geformten Berge im Hintergrund.

Ein schroffes aber grünes Tal mündet in einen leuchtend türkisblauen See. Dahinter mittelhohe asymetrische Bergformationen
Diese Landschaft ist einfach nur Bombe. Ich bereue es bis Heute nicht an den See gefahren zu sein

Dafür hatte ich hier mal wieder Probleme, Brot zu kaufen. In den Bäckereien wird meistens mit Karte gezahlt und nicht mit Bargeld. Da das iranische Bankensystem vom globalen SWIFT-System ausgeschlossen ist, sind meine Kreditkarten hier nutzlos. Brot gibt es selten in Supermärkten und meistens gehört Glück dazu, eins zu finden. Mittlerweile gehe ich trotzdem einfach zum Bäcker. Entweder einer der anderen Kunden hilft aus, oder ich bekomme Brot geschenkt.

Kanukbaum-Party in Dezful

Gegen Abend bin ich schließlich in Dezful angekommen. Die Altstadt hat vom anderen Flussufer aus einen schönen Eindruck gemacht, aber es war zu viel Getümmel, um das Fahrrad stehen zu lassen, weshalb es für mich einfach weiterging. Hier wurde ich auch wieder mehrfach von Leuten zum Übernachten eingeladen, aber ich hatte weiterhin keine Lust.

Ab Dezful war es erst einmal vorbei mit den Bergen und es gab nur noch Flach- und Farmland, was es immer schwer macht, einen Zeltplatz zu finden. Letztendlich baute ich mein Zelt unter einem Baum, direkt an einem Feldweg auf. Was ich nicht wusste: Es war ein Kanukbaum, der reife Früchte trug. Diese heißen auch ‘Goje Sabz’ oder Edelpflaumen. Eine Stunde später war eine Gruppe Frauen um mein Zelt verteilt und wollten diese ernten. Ich stellte also mein Zelt um und lud die Damen dabei zum Tee ein. Keine von ihnen sprach Englisch, niemand hatte Internet zum Übersetzen, aber dennoch war es ein lustiger Abend.

Das Zelt steht unter einem riesigen Kanukbaum. Zwischen der unteren Baumkante und dem Horizont geht die Sonne unter
Die Landschaft wurde erst einmal Karker, aber die Bilder sind dennoch schön