Ich fahr durch den Monsun 🎶

Neben dem Zelt stehe ich im Regen und strecke verzweifelt die Arme nach oben
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Unterwegs nach Slemani und die Suche nach einem Bett

Gewaltiges beiges Bergmassiv ragt hinter saftigen Wiesen voller Findlinge auf
Die Bergmassive in der Gegend hier sind echt beeindruckend

Der nächste Morgen begann schließlich wieder mit einem Gewitter. Gerne hätte ich es ausgesessen, aber aufgrund der immer knapper werdenden Lebensmittel und der Entfernung bis nach Slemani machte ich mich dann in dem Unwetter, inklusive Gegenwind, auf den Weg.

Völlig durchnässt kam ich schließlich am frühen Nachmittag in der letzten großen Stadt an und ging direkt zum ersten Geldautomaten (ATM), der auch endlich wieder Geld für mich ausspuckte.

Vom Straßenrand blicken wir auf die Stadt Slemani im Regen, das Fahrrad steht daneben.
Nach Tagen des Regens, endlich Zivilisation und hoffentlich ein Dach über den Kopf

Auf der Suche nach einem billigen Hotel wurde ich dann immer wieder mit „Full“ abgelehnt. Gefühlt lag das eher an meinem nassen und matschigen Auftreten als an tatsächlich besetzten Zimmern. Glücklicherweise hielt mich ein Taxifahrer an, fragte, ob er mir helfen könnte, und führte mich zur billigsten Unterkunft in Slemani. Zuerst war nur eine komplette Gruppenunterkunft mit mehreren Betten frei, die ich komplett für 10€ mieten konnte. Der Taxifahrer diskutierte aber weiter, denn ich sagte ja: billig. Letztendlich schlug ich mein Nachtlager in der Abstellkammer auf. Es war trocken, es waren Betten darin und kostete nur 2,50€ – was wollte ich mehr?

Ein junger Mann und ein Mann mittleren Alters mit Vollbart stehen hinter der Rezeption eines altmodischen Hotels.
Danke für das billige Zimmer Jungs 😉
Eine enge Abstellkammer mit mehreren Stockbetten, die mit Matratzen und Decken gefüllt sind. Mein Fahrrad und meine Ausrüstung stehen mittendrin.
Mein Platz für die Nacht

Gestern bin ich dann noch die 80 km bis nach Said Sadiq gefahren und mache mich heute auf den Weg, die Grenze in den Iran zu überqueren. Übrigens regnet es immer noch. So hatte ich mir meine Zeit in dieser Gegend nicht ganz vorgestellt. Dafür ist die Landschaft weitaus interessanter, als ich es mir erhoffen hätte können.

Es kann sein, dass ich mich mal wieder eine Zeit lang nicht melde, da ich einerseits wieder eine SIM-Karte benötige und Seiten wie Facebook und Instagram meines Wissens nach im Iran gesperrt sind.

lick auf einen hohen Berg mit felsigen Hängen und grünem Vordergrund.
Blick auf den Piramagrun
Zelt auf grüner Wiese, umgeben von schroffen, steilen Bergen rechts. Von links zieht ein schweres Gewitter heran.
Das Gewitter kommt immer näher

Platten, Benzin und 1.000 Höhenmeter

Was für ein verrückter Tag. Früh bin ich im strömenden und nicht stoppenden Regen aufgewacht, sodass ich das Zelt pitschnass einpacken musste.

Leere, nasse Straße bei trist-grauem Regenwetter. Ein Straßenschild weist auf Penjween hin.
Endlich ist Penjween, der Grenzübergang ausgeschildert

Kaum ging es die ersten 5 km bergauf und ich hatte trotz des schrecklichen Wetters doch noch gute Laune, platzte mir der hintere Reifen. Dabei war nicht nur der Schlauch kaputt, sondern der Mantel ist mal wieder gerissen. Ich schätze mal, dass der Decathlon-Reifen einfach nicht für das Gewicht ausgelegt war.

Ich hatte aber Glück und hatte die Panne direkt gegenüber einer Tankstelle, so dass ich gleich zu Tee und Schokolade eingeladen wurde. Zu guter Letzt bekam ich noch eine Flasche Benzin für den Kocher geschenkt. (Tankstelle hört sich hier für westliche Leser so modern an, aber ich beschreibe diese mal kurz: Es war eine Art Wendeplatz auf matschigem Untergrund, eine Zapfsäule mittendrin und daneben eine beheizte Blechhütte mit nicht ganz 2 auf 2 Metern.)

Fahrrad kopfüber auf einer Plane für die Reparatur, direkt neben einer großen, tropfenden Pfütze. Das restliche Gepäck liegt im Regen.
Die nächste Panne
Nahaufnahme eines gerissenen Fahrradreifens: Zur Veranschaulichung des Schadens steckt mein Zeigefinger in der Seitenwand.
Und der nächste gerissene Reifen

Das änderte aber nichts daran, dass ich im Regen noch die restlichen 1.000 Höhenmeter fahren musste, um in den Iran zu kommen. Letztendlich war es aber schön zu fahren, und die Landschaft erinnerte mich doch etwas an die Heimat. Leider haben die Wolken und der Nebel eine schönere Aussicht verhindert.

rünes, nebelverhangenes Tal bei Regen, dessen Landschaft an zentraleuropäische Gegenden erinnert.
Eine wunderschöne Landschaft, leider macht das Wetter nicht mit

Ein Abend in Penjwen mit Abdullah

In Penjwen angekommen, der letzten Stadt vor dem Grenzübergang, wollte ich noch schnell etwas essen und Lebensmittel einkaufen. Kaum in einem Restaurant angekommen, wurde ich auch schon von Abdullah zum Essen und gleich darauf dazu eingeladen, etwas die Stadt kennenzulernen und dort zu übernachten.

Abdullah und sein Bruder mit mir Arm in Arm.
Abdullah ist der Linke, in der Mitte sein Bruder

Zwei Gläser Cay mit einer Portion dunkler Nüsse, vor einem unscharfen Blick ins Tal
Snacks auf der Stadttour
"Blick in ein Wohnzimmer: Das Essen ist traditionell am Boden angerichtet. Sieben Familienmitglieder sitzen mit mir zusammen und reichen sich die Hände.
Zum Abschied nochmal richtig lecker Essen. Zum ersten Mal das eine Frau beim Essen mit dabei war.

Da sagte ich natürlich nicht nein und verbrachte einen sehr schönen Tag mit Abdullah und seiner Familie. Ich wurde nochmals zum Essen eingeladen, machte eine Rundtour durch die Stadt und besuchte die Pascha-Moschee mit ihrer frischen Wasserquelle. Nachts besuchten wir noch eine Shisha-Bar und hatten dort viel Spaß.

Sollte nichts weiter dazwischen kommen, geht es morgen aber wirklich in den Iran.