Nach Sonnenschein folgt Regen

Ich knie am Straßenrand neben meinem kopfüber liegenden Fahrrad und repariere es und die Taschen.
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Die Pechsträhne beginnt in Erbil

Manchmal fragt man sich einfach nur, ob es vielleicht doch besser wäre, sich in einen Flieger zu setzen und sich mit dem normal verrückten Alltag rumzuärgern. Jedenfalls hatte ich dieses Gefühl heute Mittag.

Aber von Anfang an: Vorgestern, nachdem ich den letzten Bericht online gestellt hatte, kam die Absage von Shad. Er konnte leider doch nicht mit. Am nächsten Morgen las ich auch noch von Rahim, dass es bei ihm ebenfalls nicht klappt. Nicht wirklich schlimm, aber dennoch schade.

Kaum aus dem Hotel raus, sah ich auch gleich, dass ich mal wieder einen Platten hatte, was aber schnell gefixt war.

Häuser in verschiedenen kräftigen bunten Farben säumen den Straßenrand

Da ich in Erbil war, wollte ich noch schnell zusätzliche US-Dollar vom Automaten abheben, die ich im Iran, wo es keine Möglichkeit des Geldabhebens gibt, gut gebrauchen könnte. Aber Pustekuchen! Ich konnte kein Geld abheben, weder US-Dollar noch irakische Dinar, und das an keinem Automaten der Stadt, weder mit der einen noch mit der anderen Karte. Als Fehlermeldung kamen Timeouts und keine Verbindung zur Bank. Aber ich machte mich noch nicht verrückt, hatte ich das gleiche Problem schon in Messina, und am nächsten Tag war alles wieder in Ordnung.

Während der nächsten gut 20 km hatte ich noch zwei weitere Platten. Anschließend hatte ich die Schnauze für den Tag voll, baute mein Zelt auf und wollte einfach nur meine Ruhe haben.

Ein Sandfarbenes Fort auf einem Berg neben der Straße

Es geht weiter bergab, aber nicht am Berg

Den heutigen Morgen verbrachte ich dann damit, zwei Stunden das Rad wieder komplett auf Vordermann zu bringen. So ging es die ersten 35 km auch gut voran, als ich merkte, dass der Hinterreifen schon wieder Luft verlor. Da es aber Mittag war und ich nur noch einen schönen Platz zum Rasten suchte, verschob ich das Problem noch ein wenig.

Ein paar Minuten später ging es bergab durch einen unbeleuchteten Tunnel. Die Augen waren mehr auf die Rückspiegel als nach vorne gerichtet, da auch die LKW sehr wenig Platz gelassen haben. Es kam, wie es kommen musste: Während ich gerade die Balance zwischen LKW und Randstein hielt, tauchte ein offener Kanal vor mir auf. Zum Bremsen zu spät. Mit dem Vorderreifen hineinzufahren wäre eine dumme Idee gewesen, also riss ich das Rad am Lenker hoch und stürzte dafür mit dem hinteren Reifen hinein.

Das Ergebnis: geplatzter Schlauch, gerissene Taschenhalterung und ein Achter im Rad.

Das Rad liegt halb zerstört am Straßenrand am Ende des Tunnels
Die Stimmung war am Tiefpunkt
Die Fahrradtaschen sind provisorisch mit gelbem Zurrband am Gepäckträger befestigt
Wenigstens konnte ich alles provisorisch flicken.

Regen, Lehm und neue Pläne

Wenn ich mir in Deutschland Länder wie den Irak vorgestellt hatte, waren das immer sehr trockene, beinahe wüstenhafte Vorstellungen, aber da hatte ich mich getäuscht.

Nach der großen Panne schlug ich keine 100 Meter weiter mein Zelt auf. Keine Stunde später fing es an zu regnen und zu gewittern. Das Wetter hielt sich die ganze Nacht und der Regen auch den gesamten kommenden Tag, so dass ich mich entschied, den Tag im Zelt zu verbringen und A Canticle for Leibowitz zu Ende zu lesen. Ich hatte nach den letzten Tagen aber auch gerade die Schnauze voll. Gleichzeitig kaufte ich mir noch ein weiteres E-Book, um auch zu schauen, ob das Problem des Geldabhebens vielleicht doch auf meinem Konto lag – aber es klappte.

Das Fahrrad liegt am Boden. Taschen und Schuhe liegen daneben, wobei Reifen und Schuhe komplett mit Matsch bedeckt sind
Wenn der Matsch überall klebt ist erst mal Putzen angesagt. Keine Chance mit Felgenbremsen hier weiter zu kommen

Mehr Probleme macht mir mein Visum für Pakistan, wo ich jetzt, nachdem ich auch noch mehrfach den Service angeschrieben habe, keine Antwort erhielt. Darum sieht der aktuelle Plan vor, vom Iran mit dem Schiff nach Dubai zu fahren, von dort in den Oman und nach Saudi-Arabien. Von hier aus gibt es dann viele Möglichkeiten, entweder nach Ägypten, oder von Katar mit dem Flieger weiter Richtung Asien zu fliegen.

Als es am darauffolgenden Tag schließlich weiter ging, war der Lehmboden so aufgeweicht, dass alles an Schuhen und Rädern festklebte, was eine wahre Tortur war, zusammen mit dem nächsten Platten.

Straße führt in die Berge. Sonnenstrahlen brechen durch schwere Regenwolken und erhellen die Landschaft.
Immer weiter dem Regen entgegen
Schroffe, steile Serpentinen durch felsiges Gelände im Dauerregen
Bei dem Wetter sind Serpentinen eine ganz eigene Herausforderung

Während ich den Achter aus dem Rad so weit herausbekommen habe und die Tasche auch wieder hält – hier nochmal Dank an Lukas für die Tipps – war es das dritte Problem, das mir zu schaffen macht. In den letzten beiden Tagen fand ich weder einen Geldautomaten noch die Möglichkeit, Geld zu wechseln. Daher waren die einzigen Lebensmittel der zwei Tage etwas Brot, Bulgur, zwei Zwiebeln, Kaffee und Zucker. Heute werde ich dann in Slemani ankommen, wo sich das Problem hoffentlich lösen wird. Hier auch nochmal vielen Dank an Thair Abud und Kyle, die mir Hilfe angeboten haben.

Die letzten beiden Tage waren ansonsten sehr ereignislos, bis auf mehr Regen. Dafür ist die Landschaft hier unglaublich schön. Ich würde mich nur freuen, wenn ich mal einen Tag in Kurdistan ohne Gegenwind hätte.

Nahaufnahme eines dornigen Strauchs mit vielen rosa Blüten vor unscharfem Hügel.
Die Sonne scheint dann doch mal und offenbart die wunderschöne Natur Iraks. Hier übrigens eine „Dornige Hauhechel“