Abschied und unerwartete Gesellschaft
Rahim wollte mich wie gesagt erst nach dem Mittag begleiten. So nutzte ich die Zeit, um noch etwas mit dem Rad durch Duhok zu fahren. Dabei lernte ich Kyle aus den Vereinigten Staaten kennen. Gerne hätte er mich eingeladen, aber meine Pläne standen schon fest.
Gerade als ich noch schnell einen Snack gegessen hatte, meldete sich auch schon Rahim bei mir. Ich fuhr also bei ihm zu Hause vorbei, um ihn abzuholen. Natürlich wurde ich schon wieder zum Essen eingeladen! Dieses Mal hatte seine Frau ein indisches Gericht gekocht, mit Hühnchen, Mandeln, Reis und Zimtzucker. Superlecker.
Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg. Was ich nicht wusste: Aus Duhok ging es erst einmal durchgehend bergauf. Nach grob 30 Kilometern hieß es dann Abschied nehmen. Dennoch wollten wir uns nochmal in Erbil, der Hauptstadt Kurdistans, treffen, da er dort am nächsten Tag mit seiner Familie hinfahren würde.
Die Gastfreundschaft kennt keine Grenzen
Kaum hatten wir uns getrennt, hatte ich auch schon mein Zelt aufgebaut. Es dauerte keine fünf Minuten, bis ich Besuch bekam und zum Tee eingeladen wurde. Eigentlich wollte ich an diesem Abend mal meine Ruhe haben, aber zu einem Tee sagte ich dann doch nicht nein. Kurze Zeit später brachte mir die Familie nicht nur Tee, sondern ein ganzes Körbchen mit Essen vorbei.
Ich hatte zwar schon einen extrem vollen Magen, wollte die Gastfreundschaft aber nicht ablehnen. Also verstaute ich mehr als die Hälfte davon in meinen Taschen – für ein gutes Frühstück für den nächsten Morgen.
Gestern war ich dann im Flachland und es ging geradeaus auf der Autobahn weiter. Die einzig nennenswerten Zwischenfälle waren, dass Rahim mich überholt und für einen Fotoshoot gestoppt hat und ich das erste Moskito des Jahres im Zelt erschlagen habe.
Chaos in Erbil und neue Freunde
Am heutigen Tag war es bis nach Erbil nicht viel ereignisreicher. Dafür war das Fahren auf den Straßen ein echtes Abenteuer und sehr anstrengend. Da nicht genügend Platz vorhanden war, musste ich durchgehend in den Spiegel schauen und ständig LKW ausweichen, indem ich in den Schotterstreifen fuhr, der ebenfalls immer wieder voller Scherben war. Dennoch kam ich sicher in Erbil an und quartierte mich erst einmal in ein Hostel ein.

Nachdem ich gestern Nachmittag eingecheckt hatte, machte ich noch eine Spritztour mit dem unbeladenen Rad durch die Stadt, um mich ein wenig umzuschauen. Nach kurzer Zeit kam ich auch schon an der Burg Erbil an, die ich mir gerne angeschaut hätte. Ich hielt es jedoch für eine dumme Idee, mein Rad irgendwo abzustellen. Darum entschied ich mich dazu, am nächsten Morgen nochmal zu Fuß vorbeizuschauen.
Nach der abenteuerlichen Fahrt durch die Stadt – der Verkehr ist für Radfahrer wirklich grausam – wurde ich am Hostel auch schon von Rahim, seinen Kids sowie seinem und jetzt auch meinem neuen Freund Shad abgeholt. Er ist ebenfalls ein Abenteurer, der aber neben dem Radeln auch noch klettert, reitet, mit dem Fallschirm springt und noch mehr verrückte Sachen macht. Zusammen machten wir uns auf den Weg, um etwas zu essen.

Als sie mich nach einem tollen und lustigen Abend wieder am Hostel absetzten, hatten wir schon Pläne geschmiedet. Mit Shad wollte ich am nächsten Nachmittag die Stadt ein wenig unsicher machen. Rahim musste erst mal wieder mit seiner Familie nach Hause fahren. Am Dienstag, wenn ich mich dann auf die Weiterreise mache, werden mich, je nachdem ob sie Zeit haben, einer oder beide meiner neuen Freunde ein paar Tage begleiten.

Stadtbesichtigung, Fotoshootings und Ausblick
Heute Morgen machte ich mich jedoch erst einmal zu Fuß auf den Weg und schlenderte gemütlich durch die Stadt, besuchte die Burg und ging zum Abschluss noch gemütlich Mittag essen.
Zwischenzeitlich hatte sich Shad gemeldet und um drei machten wir zusammen eine Tour durch die Stadt. Der erste Halt war der Motorrad- und Radladen Bazhilan, wo ich ein paar tolle Gespräche mit den Mitarbeitern und dem Besitzer hatte und wir viel zu lachen hatten.

Als Nächstes ging es zu ein paar Hochhäusern, bei denen die Straßen mit Hochzeitspärchen gefüllt waren, die fotografiert wurden. Also konnten wir nicht anders, als unser eigenes Fotoshooting zu starten.
Der große Stadtpark stand als Nächstes auf dem Plan und anschließend ging es mal wieder lecker Essen. Aber das Beste war, dass ich erfahren habe, dass wir uns morgen dann zu dritt für die nächsten Tage auf den Weg machen werden.







