Die letzten Tage in Georgien

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In der Nacht zuvor hatte ich die Lautstärke der vorbeifahrenden Züge völlig unterschätzt, da sie nachts die Gewohnheit hatten, direkt neben meinem Platz zu hupen.

Das war aber egal – die Nacht war relativ warm und dadurch doch angenehm. Am Morgen ging es auf dem Schlammweg weiter, bis sich schließlich mein rechtes Pedal selbstständig machte. Erstmal kein großes Problem, da ich es wieder lose anstecken und passende Schrauben hoffentlich leicht finden konnte.

Nach ein paar Kilometern kam der nächste Platten. An der Stelle, wo der Reifen bereits aufgeschnitten war, war trotz Tape Dreck in den Schlauch geraten, der ihn aufgescheuert hatte. Es half also nichts: der Ersatzreifen musste drauf, der ebenfalls fast neue Reifen kam weg.

Trotz der schönen Strecke und des Wetters war meine Stimmung diesmal getrübt. Als ich unterwegs noch einen anderen Reiseradler aus Frankreich traf, wimmelte ich ihn nach kurzem Smalltalk wieder ab und fuhr weiter – wenn auch nicht mehr lange, bis ich das Lager aufschlug.

Nach einer komplett ruhigen und erholsamen Nacht wachte ich am nächsten Morgen bei strömendem Regen auf, der den ganzen Tag anhielt. Nach so langer Trockenheit war mir klar, dass ich den hohen Kaukasus als nächstes Ziel abhaken konnte. Die Stimmung war dementsprechend im Keller. Ein bisschen Aufmunterung gab’s dann aber bei Wendy’s: Ich blieb stehen und gönnte mir ein großes Menü zusammen mit zwei Donuts von Dunkin’ Donuts 😋.

Mit Kutaisi erreichte ich die nächste größere Stadt, ließ sie aber links liegen. Alle meine Regensachen waren inzwischen durchnässt, und ich brauchte dringend einen Platz zum Trocknen. Glücklicherweise fand ich kurz nach der Stadt einen leerstehenden Rohbau. Zuerst kümmerte ich mich darum, das Rad von Dreck zu befreien und frisch zu ölen, dann trocknete ich meine Sachen, bevor ich das Zelt aufbaute. Nun lag ich trocken, warm und zufrieden darin.

Endlich kam die Sonne wieder heraus. Ich wagte mich auf die ursprüngliche Route, doch über den Bergen zog sich das Wetter erneut zusammen, weshalb ich wieder die Richtung wechselte.

Mein Weg führte durch Tskaltupo, ein nettes Städtchen, das um einen Park herum gebaut ist, und bot einige schöne Stellen. Über Feldwege ging es durch das stolze, aber verlassene Dörfchen Besiauri, wo selbst noch die Flaggen an der einstigen Stadthalle hingen, weiter nach Khoni, wo ich den besten Shawarma der Reise aß.

Hier plante ich noch einmal neu. Durch die kürzeren Tage und das kalt-nasse Wetter war ich langsamer als gedacht, und einige Tage waren schon verloren. Der hohe Kaukasus fiel aus – es geht nun direkt ans Meer und anschließend weiter Richtung Trabzon. Mit eingerechneten Verzögerungen bei der iranischen Botschaft und dem geplanten Aufenthalt in Erzincan habe ich noch gut zehn Tage Puffer bis zur irakischen Grenze. Es wird also langsam knapp.

Ab diesem Tag ging es flott weiter – ich wollte spätestens Donnerstag bei der iranischen Botschaft in Trabzon sein, um mein Visum abzuholen. Der Tag verlief beinahe perfekt: es ging nur geradeaus, war eben und nicht zu warm. Der übliche graue Winterhimmel begleitete mich.

Gegen Mittag kam ich in Poti an, wo ich erstmals ans Schwarze Meer fuhr und den Ausblick auf Meer und Berge genoss – auch wenn mir bewusst war, dass mich mein Weg nach dem Visum genau in diese Berge führen würde.

Nach knapp 100 km machte ich Halt bei Ureki und baute mein Zelt am Strand auf, wo ich gleich wieder vier pfötige Begleitung bekam.

Mit Batumi erreichte ich die letzte Station in Georgien, bevor es zurück in die Türkei ging. In der Stadt gab ich meine letzten Lira für ein leckeres Essen aus und wurde kurze Zeit später von einer netten deutschen Dame, deren Name mir leider entfallen ist, zu einem Kaffee eingeladen.

Kurz vor der Grenze traf ich noch Ben und Lukas von Abfahrt_Tour, mit denen ich ein nettes Gespräch führte und sogar eine türkische Simkarte geschenkt bekam.