Kaltes Wetter und kalte Schnauze ❤️🐶

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Während meiner Zeit in Tiflis machte ich zwischendurch noch einen kleinen Drei-Tages-Biketrip, der mich hoch zum Datvis-Jvari-Pass führen sollte. Dabei fing die Fahrt auch gleich gut an, als ich noch in der Stadt von einem Hund gebissen wurde. Glücklicherweise war es eher ein starkes Zwicken; die Zähne gingen nicht durch die Hose, und es blieb bei einem blauen Fleck.

Anstatt auf dem direkten Weg zum Ziel führte mich mein Weg zuerst Richtung Tianeti – durch trübe Suppe und über die Berge des Tiflis-Nationalparks. Eine schön zu fahrende Strecke, aber es dauerte bis zum Mittag, bis sich der Nebel endlich auflöste und ich wieder im Tal bei Khevsurtsopeli angekommen war.

Beim nächsten Aufstieg machte ich kurz Halt, um eine Art Watchtower zu besichtigen, den ich von der Straße aus gesehen hatte und zu dem ich zu Fuß laufen musste. Im Inneren des halb zerfallenen Gebäudes befand sich neben viel Geröll auch ein orthodoxer Altar auf einem Stück herausgebrochener Mauer.

Nach einer frischen Nacht direkt hinter Tianeti ging es am nächsten Morgen bei schönstem Wetter weiter, auch wenn es weiterhin kalt blieb. Kaum war ich losgefahren, hatte ich im nächsten Dorf einen Begleiter auf vier Pfoten, der sich total freute, mitzukommen. Ich sagte ihm zwar, dass es eine dumme Idee sei und ich etwas weiter fahren werde, als es ihm lieb sein wird, aber er wollte nicht hören. Er hatte ebenfalls Glück, dass es für den Vormittag erst einmal wieder hieß: bergauf fahren – so konnte ich ihm nicht entkommen.

Mit der Zeit war ich aber froh, jemanden bei mir zu haben, der mir andere Hunde vom Leib hielt. Bei jedem einsam wirkenden Grundstück sprang beim Vorbeifahren ein Hund heraus, und mein Freund ging jedes Mal dazwischen. Irgendwann ging es aber bergab, und nach ein paar Streicheleinheiten sowie einem Stückchen trockenem Brot (mehr hatte ich nicht) verabschiedete ich mich und fuhr los.

Einige hundert Meter später kam ich an einem Bauernhof vorbei – mit einer schönen Sicht auf die Berge des Hohen Kaukasus. Ich konnte natürlich nicht widerstehen, fuhr den Feldweg bis zum Tor und machte ein paar Bilder. Natürlich waren auch hier Hunde, und kaum hatte ich die Kamera weggesteckt, rannten sie durch die Löcher im Zaun bellend auf mich zu.
Die zwei Tölen machten einen ziemlich unfreundlichen Eindruck, und ich war gedanklich schon dabei, einen Krankenwagen zu rufen, als mein Begleiter von hinten ankam und dazwischen sprang.

Im Schutz meines Bodyguards drehte ich sofort mein Bike um, machte mich wieder auf den Weg zur Straße und fuhr noch ein paar gute Kilometer weiter – dieses Mal aber mit drei Hunden im Schlepptau, bis sich zwei dieser Verfolger wieder verabschiedeten und zu ihrem Gehöft zurückkehrten. Kurz darauf kam ich an einem „10 % Gefälle“-Schild an, und es hieß wieder – und dieses Mal endgültig – Abschied nehmen.

Es ging ordentlich und lange bergab, bis ich schließlich am Zhinvali-Stausee ankam. Ab hier hieß es dann im Aragvi-Tal: dem Fluss folgen, solange die Straße es zulässt. Es ging dabei durchgehend bergauf; die Strecke zog sich gefühlt immer weiter in die Länge, und es wurde nicht nur gefühlt immer kälter. Zwischenzeitlich musste ich mir sogar ernsthaft Sorgen machen, da all meine Wasservorräte eingefroren waren und ich außer dem Tee in der Thermosflasche nichts mehr zu trinken hatte.

Als es langsam Abend wurde, bekam ich ein klammes Gefühl. Ich hatte schon seit einigen Kilometern nach einem Zeltplatz gesucht, aber auf der einen Seite der Straße ging es steil nach oben und auf der anderen lag der Fluss, an dessen Ufer es ebenfalls sofort wieder steil bergauf ging. Im letzten Moment hatte ich aber noch Glück. Ich war schon kurz davor umzudrehen, da ich nicht glaubte, im Dunkeln hier noch eine geeignete Stelle zu finden – aber es ging nochmal gut. An einer Stelle auf zwischenzeitlich 1.800 m wurde der Bach etwas breiter und bot ein kleines Stück ebene Fläche.

An diesem Abend gab es neben einer warmen Suppe asiatischer Instantnudeln noch eine ganze Flasche heißen Wein.

Bei einer noch angenehmen Nacht bei –10 °C ging es am nächsten Morgen auf der Huckelpiste weiter bergauf. Schließlich standen noch fast 1.000 weitere Höhenmeter auf dem Programm. Aber so weit kam ich nicht mehr. Meine provisorische Reparatur der Gepäckträgeraufnahme war für solche Straßenverhältnisse nicht geschaffen. So ging es noch bis auf 2.300 m, als der Gepäckträger erneut seitlich abfiel. In der Kälte und mit gefrorenen Fingern schaffte ich es auch nicht, den Messingdraht wieder so zu befestigen, dass er mehr als 100 m dieser Piste durchhielt.

Es gab noch die Überlegung, den restlichen Pass zu Fuß zu besteigen, aber die Reparaturversuche hatten bereits zu viel Zeit gekostet, und ich hatte nicht eingeplant, hier zwei Nächte zu bleiben – die Nahrung wurde knapp. Es half also nichts, und ich drehte wieder um.

Den restlichen Tag ging es auf direktem Weg, weitere 130 km durchgehend bergab, zurück nach Tiflis.