Ein brutaler Tritt zum Abschied!

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Nach einer ruhigen Nacht ging es am nächsten Tag schnurstracks weiter Richtung Grenze. Die Hügelchen waren zwar etwas anstrengender als gedacht, ließen sich aber gut bewältigen. Vorbei ging es schließlich an der aserbaidschanischen Enklave, wo ich von oben ein paar Bilder von der aserbaidschanischen Seite machen wollte. Dabei stellte ich fest, dass ich Schmutz auf dem Kamerasensor hatte, der sich – ohne die Gefahr einzugehen, den Sensor zu beschädigen – nicht entfernen ließ, da der Partikel fest klebte. Sichtbar wurde das zwar nur bei geschlossenerer Blende und je nachdem, worauf ich fokussierte, dennoch war es extrem nervig.

Weiter ging es dann, teils keine 100 m von der Grenze zu Aserbaidschan entfernt, als ein Lada mit Militärbesatzung an mir vorbeifuhr, wendete und mich schließlich anhielt. Wieder einmal Zeit, gefilzt zu werden. Dieses Mal reichten weder Reisepass, Ausweis, Führerschein noch Impfpass aus, um mich als Deutschen auszuweisen. Neben allen Taschen, die ich komplett ausleeren musste, wurde auch meine gesamte Elektronik überprüft. Kamera, Handy und Laptop wurden durchforstet und ständig wurde ich gefragt, ob ich Russe, Aserbaidschaner oder Amerikaner sei und was ich hier mache. Eine gute Stunde dauerte es, bis der Ranghöchste schließlich überzeugt war, dass ich tatsächlich ein deutscher Tourist sein könnte, und sie mich weiterfahren ließen.

Als ich meine Sachen wieder gepackt hatte und weiterfuhr, hörte ich ein leises, seltsam schleifendes Geräusch, das im Sekundentakt kam und ging. Ich sah mehrmals nach hinten, jedoch ohne große Mühe, entdeckte nichts und fuhr weiter – zumindest bis nach Noyemberyan. Dort ging es plötzlich ordentlich bergab, und aus dem leisen Schleifen wurde ein lautes Pfeifen.

So konnte es nicht weitergehen – ich musste wissen, was los war! Ich blieb stehen, lud das ganze Rad ab und stellte sofort zwei Dinge fest: Einerseits war eines der silbernen Rohre meines Gepäckträgers schwarz verfärbt, andererseits saß der Gepäckträger nicht mehr symmetrisch über dem Hinterreifen. Auf den zweiten Blick erkannte ich auch den Grund: Die Aufnahmen für den Gepäckträger an den Sattelstreben sowie eine auf Achshöhe waren aus dem Rahmen herausgebrochen, sodass der Gepäckträger am Reifen geschliffen hatte. Der Rahmen war gebrochen – und so konnte ich unmöglich weiterfahren. Gleichzeitig konnte ich hier aber auch nicht bleiben.

Ich war echt fertig, wusste aber, dass ich handeln musste. Also sicherte ich den Gepäckträger provisorisch mit Draht am Rahmen und fixierte alles zusätzlich mit Tape, in der Hoffnung, zumindest halbwegs weiterfahren zu können. Aber für heute hatte ich die Schnauze einfach voll.

Beim nächsten Geschäft hielt ich an – dort wollte ich ohnehin mein restliches armenisches Geld loswerden. Aus einer nicht näher definierbaren Laune heraus investierte ich es komplett in Bier. Mit diesen zehn Flaschen im Gepäck fuhr ich noch ein paar Kilometer weiter, bis ich in einem Obsthain direkt neben der Straße anhielt, mein Zelt aufbaute und mich schlicht volllaufen ließ.

Am nächsten Morgen ging es dann immerhin ohne Kater, aber weiterhin mit gebrochenem Rahmen, weiter Richtung Georgien.

Zwischenzeitlich hatte ich mich beim Hersteller meines Fahrrads, der VSF Fahrradmanufaktur, gemeldet. Dort konnte man mir weder Hilfestellung geben, wie ich den Rahmen auf eigene Kosten am besten reparieren könne, noch wurden mir die groß beworbenen „10 Jahre Garantie auf den Rahmen ohne Wenn und Aber“ gewährt – denn ich hatte den Gepäckträger gewechselt und damit entspreche das Rad angeblich nicht mehr den originalen Spezifikationen.

Nachdem ich anschließend das Problem auf öffentlichen Kanälen kommuniziert hatte, meldete sich Vsf noch einmal, sie würde sich das Problem nochmal anschauen. Nach längerer Wartezeit kam schließlich die Meldung, dass aus eben diesen Grund keinen Garantieanspruch habe, aber sie gaben mir den Tip, es doch schweißen zu lassen.

Meiner Meinung nach eine absolute Frechheit!