Von Schlaglöchern, Schnaps und Sonnenstrahlen

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Das erste Mal auf dieser Reise wurde ich gefilzt. Kaum war ich an der armenischen Grenzkontrolle angekommen, schien ich eine ganz besondere Art von Aufmerksamkeit ausgestrahlt zu haben. Zunächst wurde mein Reisepass ganz normal kontrolliert und ich durchgewunken, doch während des Herausfahrens aus dem Grenzposten wurde ich durch einen lauten Zuruf gestoppt.

Also zurück und dieses Mal gab es das volle Programm: Vier Taschen mussten geöffnet und komplett ausgeleert werden, bis der Grenzer endlich zufrieden war und der Meinung, dass ich scheinbar doch nicht heimlich Drogen oder Waffen schmuggelte.

Natürlich machen die Leute nur ihren Job, und sie waren per se nicht unfreundlich. Dennoch war es für mich sehr nervig. Außerdem fiel mir hier zum ersten Mal ein extrem strikter, militärischer Ton auf, der mir überhaupt nicht gefiel.

Leider spielte das Wetter weiterhin nicht mit und wurde stattdessen sogar noch schlechter. Der Himmel war durchgehend bedeckt, und es regnete fast ununterbrochen. Dadurch war die Sichtweite ungefähr auf dem gleichen Level wie meine Stimmung. Nicht nur gab es keine Aussicht, sondern auch die Strecken waren extrem langweilig, und das einzig Interessante an der Straße war die große Menge an Schlaglöchern, denen ich ausweichen musste.

So schlug ich mich am ersten Tag bis nach Gyumri durch, wo ich mir erst einmal eine SIM-Karte und Essen besorgte. Beim ersten war ich positiv überrascht, da die Verkäuferin fließend Englisch sprach, und ich für relativ wenig Geld mehr als genug Datenvolumen inklusive einer YouTube-Flat bekam. Beim Einkaufen im Supermarkt war ich dagegen wirklich geschockt: Nach den extrem billigen Lebensmitteln in der Türkei war Armenien sauteuer, besonders wenn man Infrastruktur und Lebensstandard der Menschen beider Länder in Vergleich zieht. Aus war es mit billigem Fastfood der letzten Wochen und Monate, und meine Entscheidung für Frühstück und Mittag bestand ab sofort aus Brot mit einer Art Sauerrahm.

Anschließend fuhr ich noch schnell zur schwarzen Burg von Gyumri. Von weitem machte sie einen imposanten Eindruck, von nahen war sie aber dennoch nur eine runde Burg aus schwarzem Gestein.

So ging es bei tristem Wetter weiter bis nach Maralik, wo ich vormittags in Regenmontur in einen kleinen Tante-Emma-Laden ging und mit den beiden Verkäuferinnen aufgrund von Verständigungsproblemen einen Heidenspaß hatte. Kaum öffnete ich die Tür, um wieder hinauszugehen, wurde ich von Sonnenstrahlen im Gesicht begrüßt, und mein Kopf schüttete sogleich Unmengen an Dopamin aus. Ein großer Teil des Himmels blieb zwar weiterhin bedeckt, aber es war weitaus besser als zuvor.

Das Wetter des weiteren Tages kann man getrost als bestes Aprilwetter bezeichnen. Durchgehend wechselte es zwischen brachial heißem Sonnenschein, strömendem Regen – senkrecht wie auch waagrecht – und eiskalten Winden. Aber die immer wiederkehrenden Sonnenstrahlen reichten aus, um mich glücklich zu machen.

Nachdem ich in Talin gleich zweimal zu mehreren Gläsern Schnaps eingeladen wurde, wurde es langsam Zeit, den Tag zu beenden. So schön wie der Tag gelaufen war, endete er mit einem wunderschönen Campingplatz und einem beeindruckenden Sonnenuntergang weit über dem Horizont, da die Berglinie, hinter der die Sonne unterging, aufgrund des Dunstes nicht zu sehen war.